Die bisherigen Lektionen endeten meist bei einer einzigen Anweisung: schreib diese Datei, prüf das, korrigier diesen Abschnitt. Diese geht einen Schritt weiter – statt einer einzelnen Aufgabe gehst du durch den ganzen Zyklus, der danach bei jeder Arbeit mit Claude Code wiederkommt: zuerst der Plan, dann die Ausführung, am Schluss die Prüfung des Ergebnisses.

Neben einem schlichten «mach X» und Abwarten klingt das nach Mehrarbeit. In der Praxis ist es umgekehrt – der Plan zeigt dir, was Claude Code vorhat, bevor sich in deinen Dateien etwas bewegt, und genau dann lässt sich am einfachsten prüfen, ob Claude Code verstanden hat, worum es dir geht.

Für die Übung genügt ein Ordner, in dem du Claude Code installiert und eine einfache CLAUDE.md hast.

Wähle eine Aufgabe, die du beurteilen kannst

Der Zyklus lohnt sich nur bei einer Aufgabe, bei der du sagen kannst, ob sie gut erledigt wurde. Gross muss sie nicht sein – im Gegenteil, beim ersten Mal eignet sich etwas Kleines besser, das in eine Sitzung passt.

Ein paar Beispiele, die zu dieser Übung passen: einen Abschnitt zu einem bestehenden Dokument ergänzen, eine über mehrere Dateien verstreute Aufgabenliste ordnen, eine einzelne Funktion in einem Skript ergänzen, das du auswendig kennst.

Der Test ist einfach: Wenn du nach dem Ergebnis sofort sagen kannst «genau das meinte ich» oder «nein, so nicht» – dann taugt die Aufgabe. Wenn du lange überlegen musst, nimm etwas Kleineres.

Verlange einen Plan, bevor sich etwas ändert

Standardmässig liest Claude Code Dateien und fragt vor jeder Änderung nach – das ist der Manual-Modus, in dem du bisher arbeitest. Für diese Übung brauchst du einen anderen: plan, in dem Claude Code das Projekt lesen und mit Befehlen prüfen kann, aber keine Datei anrührt, solange du das Geplante nicht freigibst.

Am schnellsten geht das für eine einzelne Anweisung – schreib /plan vor die Aufgabe, zum Beispiel:

/plan Ergänze am Ende der README einen FAQ-Abschnitt mit den drei Fragen, die in Gesprächen über dieses Projekt am häufigsten aufkommen.

Du kannst auch dauerhaft umschalten, mit Shift+Tab – diese Tastenkombination brauchst du später wieder, denn genauso wechselst du zwischen den übrigen Arbeitsmodi von Claude Code.

Die Statuszeile unten im Terminal bestätigt den Planungsmodus – dort steht ⏸ plan mode on. Claude Code liest Dateien, darf Befehle zum Prüfen des Projekts ausführen und legt nach einem Moment einen Plan vor, statt sofort loszulegen.

Korrigiere den Plan, bevor du ihn freigibst

Ein Plan ist gewöhnlicher Text – die Schritte, die Claude Code vorhat, manchmal mit einer kurzen Begründung. Lies ihn wie den Vorschlag von jemandem für dein Problem, nicht wie eine fertige Lösung: Es bleibt ein Vorschlag.

Fehlt etwas oder geht ein Schritt in die falsche Richtung, musst du den Plan nicht annehmen, um das zu ändern. Wähle «No, keep planning» und schreib in einem gewöhnlichen Satz, was anders werden soll – Claude Code überarbeitet den Plan und legt ihn nochmals vor.

Für genauere Korrekturen gibt es eine Abkürzung: Ctrl+G öffnet den Plan in deinem Texteditor, sodass du ihn direkt änderst, statt die Korrekturen in Worten zu beschreiben.

Gib den Plan frei und lass Claude Code arbeiten

Sieht der Plan gut aus, wähle «Yes, manually approve edits». Diese Option setzt die Sitzung zurück in den Modus, in dem jede Dateiänderung auf deine Zustimmung wartet – trotz freigegebenem Gesamtplan siehst und bestätigst du also weiterhin die einzelnen Schritte, statt alles auf einmal laufen zu lassen.

Es gibt auch «Yes, and use auto mode», das die Rückfragen auf ein Minimum reduziert. Für die erste vollständige Sitzung bleib beim Bestätigen von Hand – so siehst du öfter, was genau geschieht, bevor du dem Zyklus bei längeren Aufgaben vertraust.

Claude Code arbeitet die Schritte des Plans nacheinander ab und fragt bei jeder Dateiänderung nach – genau wie im Manual-Modus, nur hat jeder Schritt jetzt seine Begründung aus dem Plan.

Prüfe das Ergebnis selbst, nicht über die Zusammenfassung

Ist die Aufgabe erledigt, schreibt Claude Code eine Zusammenfassung der geleisteten Arbeit. Lies sie – und hör bei ihr nicht auf. Die Zusammenfassung sagt, was Claude Code meint, getan zu haben, nicht, was sich in den Dateien wirklich geändert hat.

Öffne die geänderte Datei und lies die Stelle, um die es in der Aufgabe ging. Wenn du mit Git arbeitest, zeigt dir git diff nur die geänderten Zeilen, ohne die Datei nochmals ganz zu lesen.

Prüfe genau das, worum du gebeten hast, nicht das allgemeine «sieht gut aus». War die Aufgabe, drei Fragen in einem FAQ-Abschnitt zu ergänzen, dann zähl sie – zähl wirklich nach, ob es drei sind.

Dieselbe Gewohnheit zahlt sich später bei längeren Aufgaben aus, wo sich das Prüfen «über den Daumen» noch leichter überspringen lässt. Je früher sie zum Reflex wird, desto seltener endest du mit einer Zusammenfassung, die nicht zu dem passt, was in den Dateien steht.

Halte fest, was funktioniert hat

Den letzten Schritt überspringt man leicht, weil nichts mehr daran erinnert: festhalten, was aus dieser Sitzung in die nächste mitgehen soll. Kein Tagebuch zu jeder Aufgabe – nur die Dinge, die die nächste Sitzung wirklich einfacher machen.

Wusste Claude Code beim Planen etwas nicht und du musstest nachhelfen – etwa, dass ein bestimmter Ordner ohne Rückfrage nicht angerührt wird, oder wie ihr etwas im Projekt nennt – dann gehört das in die CLAUDE.md. Sag es Claude Code direkt, so wie du auch andere Korrekturen diktierst:

Ergänze in der CLAUDE.md eine Notiz: Dateien im Ordner daten/ werden ohne Rückfrage nicht geändert.

Frag am Ende der Sitzung, was Claude Code gerade gelernt hat und ob es sich zu notieren lohnt. Die nächste beginnt dann nicht bei null, sondern dort, wo diese aufgehört hat.

Aufgaben

Hake sie ab, sobald du sie erledigt hast. Der Stand wird im Browser gespeichert, du kannst also morgen zu dieser Liste zurückkommen.

  • Kleine, konkrete Aufgabe gewählt – eine, die du auf einen Blick beurteilen kannst
  • Aufgabe im Planungsmodus begonnen
  • Plan bis zum Ende gelesen, bevor die Entscheidung fiel
  • Korrekturen am Plan angebracht, falls etwas fehlte
  • Plan mit «Yes, manually approve edits» freigegeben
  • Ergebnis in der Datei selbst geprüft, nicht nur in der Zusammenfassung
  • Notiz für später in der CLAUDE.md ergänzt, falls es etwas zu notieren gab