Claude Code läuft nach der Installation, und einstellen musst du nichts. Diese Lektion repariert also nichts Kaputtes – sie führt durch einen Ort, an dem du ohnehin irgendwann landest, damit der erste Besuch nicht in Eile und mitten in einem Problem stattfindet.
Wir beschreiben heute die fünf wichtigsten Einstellungen. Den Rest lässt du vorerst so, wie er ist – die Standardwerte von Claude Code sind durchdacht, und etwas zu ändern, das du noch nicht verstehst, stört öfter, als es hilft.
Nichts davon ist unumkehrbar. Am Schluss ändern wir eine Einstellung, schauen uns die Wirkung an und gehen wieder zurück – genau dafür, dass auch das Zurückgehen einmal geübt ist.
Konfiguration öffnen und umschauen
Starte Claude Code in einem beliebigen Ordner und tippe einen einzelnen Schrägstrich:
/
Es erscheint eine Liste von Befehlen. Das sind Slash Commands – Anweisungen an Claude Code selbst, im Unterschied zu den gewöhnlichen Sätzen, die das Gespräch ausmachen. Du musst sie weder auswendig können noch ausschreiben: tippe los, die Liste zeigt nur noch das Passende, mit den Pfeiltasten nach oben und unten wählst du aus, und mit Enter bestätigst du. Das funktioniert wie ein Menü, nur eben über die Tastatur.
Heute brauchen wir die Konfiguration:
/config
Es öffnet sich ein Einstellungspanel. Du bewegst dich mit den Pfeiltasten nach oben und unten und verlässt es mit Esc.
Eines lohnt sich gleich zu Beginn, weil es dir wochenlanges Rätselraten erspart: unten am Bildschirm schreibt Claude Code immer hin, was die Tasten an dieser Stelle tun. Meistens wechselt ein Wert mit der Leertaste oder mit Enter, aber nicht überall – Effort etwa verstellst du mit den Pfeiltasten nach links und rechts. Statt das auswendig zu lernen, schau kurz auf diese Zeile; sie passt immer zu dem, worauf du gerade stehst.
Es sind gut ein Dutzend Einträge, und hier erschrickt man leicht und meint, alle durchgehen zu müssen. Musst du nicht. Scrolle die Liste einmal von oben nach unten, nur um zu sehen, was es überhaupt gibt, und ändere noch nichts.
Achte auf die Namen – das Panel ist auf Englisch, wie die ganze Oberfläche. Die fünf, um die es heute geht, sind Auto-compact, Model, Effort, Thinking und Permission mode.
Prüfen, ob sich das Gespräch selbst zusammenfasst
Suche in /config den Eintrag Auto-compact und prüfe, ob er eingeschaltet ist. Standardmässig ist er das, und so soll es bleiben – wir schauen nur hin, damit der Name später kein Rätsel ist, denn früher oder später siehst du ihn in einer Meldung.
Auto-compact läuft so: Claude Code behält das ganze bisherige Gespräch im Gedächtnis, hat dafür aber begrenzten Platz. Wenn der knapp wird, vergisst es nicht einfach den Anfang, sondern fasst den älteren Teil zusammen und arbeitet mit dieser Zusammenfassung weiter. So bricht eine lange Sitzung nicht auf halbem Weg ab.
Der Preis dafür: eine Zusammenfassung bleibt eine Zusammenfassung – ein Detail von vor zwei Stunden überlebt sie womöglich nicht. Die praktische Folgerung für später: Was durchgehend gelten soll, schreibst du besser in eine Datei, statt es einmal im Gespräch zu sagen. Dazu gibt es eine eigene Lektion: die erste CLAUDE.md.
Lass Auto-compact eingeschaltet und geh weiter.
Schauen, wo Modell und Effort wohnen
Modell und Effort sind die Einstellungen, zu denen du am häufigsten zurückkehrst – die verstellt man mitten in der normalen Arbeit und nicht ein für alle Mal beim ersten Einrichten.
Im Panel selbst siehst du nur den Eintrag Model. Geh mit der Leertaste oder mit Enter hinein – erst drinnen liegen beide Dinge beieinander: das Modell wählst du mit Enter, den Effort verstellst du mit den Pfeiltasten nach links und rechts. Effort wird pro Modell gesetzt, für das gerade markierte – wenn du also die Pfeiltasten drückst, während du auf einem anderen Modell als dem gewählten stehst, änderst du den Wert genau jenes anderen.
Das Modell bestimmt, wie kräftig dein Werkzeug ist. Der Effort bestimmt, wie viel Mühe das Modell in eine einzelne Antwort steckt, bevor es sie dir gibt.
Zum Start empfehlen wir Sonnet. Der Standardwert hängt vom Abo ab: bei den teureren ist es Opus – stärker, aber deutlich hungriger auf Tokens. Für schwierige Aufgaben hervorragend, für die ersten Tage aber ein bisschen wie Rollschuhlaufen auf dem Teppich: geht schon, nur wozu. Sonnet ist schneller, sparsamer und zum Lernen völlig ausreichend.
Wir ändern hier also genau eine Sache, und nicht für immer – denn das Modell wechselst du häufiger als alles andere in diesem Panel. Welches Modell wofür taugt, ist ein eigenes Thema und hat einen eigenen Tipp.
Weil das Modell so oft wechselt, gibt es in Claude Code eine Abkürzung zu diesen Einstellungen: statt /config zu öffnen und dort den Eintrag Model zu suchen, tippst du einfach /model. Dieselbe Liste, ein Befehl statt zwei Schritten.
Und eine Falle, die du dir gleich merken solltest: ein mitten in der Sitzung mit /model gewähltes Modell wird als Standard für die nächsten gespeichert. Ein Wechsel «nur mal kurz» ist also gar nicht kurz.
Prüfen, ob Thinking eingeschaltet ist
Der vierte unserer fünf Einträge ist Thinking, der Schalter fürs Nachdenken.
Claude Code kann vor der Antwort innehalten und die Aufgabe durchdenken: überlegen, wo es anfängt, was es prüfen muss, wo der Haken liegen könnte. Thinking entscheidet, ob es das überhaupt tut.
Am einfachsten siehst du es an dir selbst. Ausgeschaltetes Thinking ist die Situation, in der dich jemand auf der Strasse abfängt und fragt, was 8 mal 7 ergibt. Wahrscheinlich antwortest du richtig – kannst dich aber auch vertun, weil du aus dem Stand antwortest. Eingeschaltetes Thinking ist dieselbe Frage, anders gestellt: «lass dir Zeit, und schreib es dir ruhig auf einem Blatt auf, bevor du antwortest».
Darum empfehlen wir, Thinking eingeschaltet zu lassen und es schlicht zu vergessen. Es kostet wenige Tokens, und das Einzige, was du wirklich abgibst, ist etwas Zeit – die Antwort kommt später, dafür durchdacht. Am Schluss der Lektion siehst du diesen Unterschied mit eigenen Augen.
Berechtigungsmodus umschalten und sehen, wonach Claude Code fragt
Der interessanteste Eintrag in ganz /config ist Permission mode, also die Einstellung dafür, wie oft Claude Code innehält und um Erlaubnis fragt.
Der Standardmodus heisst Manual und ist der vorsichtigste überhaupt: Claude Code liest Dateien ohne zu fragen, hält aber vor jeder Änderung und vor jedem Befehl an und wartet auf deine Bestätigung. Zum Start ist das ein guter Ort, und es eilt nicht, ihn zu verlassen.
Auch der Berechtigungsmodus wechselt häufig – innerhalb einer einzigen Aufgabe stellst du ihn womöglich mehrmals um – und darum hat auch er eine Abkürzung. Shift+Tab geht der Reihe nach durch vier Modi, ganz ohne /config:
- Manual – fragt vor jeder Änderung.
- Accept edits – ändert Dateien frei, fragt aber weiterhin bei Befehlen nach.
- Plan – erkundet und schlägt einen Plan vor, ohne Dateien anzurühren.
- Auto – Claude Code beurteilt selbst, was sicher genug ist, um nicht zu fragen.
Unten am Bildschirm siehst du, in welchem Modus du bist; wenn du also einen zu weit springst, drück Shift+Tab nochmals und dreh die Runde zu Ende.
Schalte auf Accept edits und bitte Claude Code um etwas Kleines und Umkehrbares:
Erstelle in diesem Ordner eine Datei notiz.txt und schreib einen Satz hinein.
Die Datei entsteht ohne Rückfrage. Versuch jetzt etwas anderes, weiterhin im selben Modus:
Ändere in meiner Einstellungsdatei ~/.claude/settings.json das Theme auf hell.
Hier fragt Claude Code trotzdem nach, obwohl sich der Modus nicht geändert hat.
Den Umfang der automatischen Bestätigung lohnt es sich genau zu verstehen, weil man ihn leicht überschätzt und mehr erschrickt als nötig: die automatische Bestätigung betrifft Arbeitsdateien in deinem Ordner, nicht alles. Drei Orte, an denen ein Fehler am meisten wehtut, sind gesondert geschützt – dort fragt Claude Code auch in den lockereren Modi nach. Bevor du sie bei dir suchst: jeder davon entsteht erst dann, wenn er gebraucht wird. Wenn du sie in deinem Ordner also gerade nicht siehst, ist alles in Ordnung. Der Schutz greift, sobald sie auftauchen.
- .claude – der Ordner mit den Einstellungen von Claude Code selbst, also unter anderem all dem, was wir eben in
/configangeschaut haben. Er entsteht mit den ersten Einstellungen, die für ein Projekt gespeichert werden. - .git – ein verborgener Ordner mit der Änderungsgeschichte des Projekts, angelegt von Git, dem Programm, das aufeinanderfolgende Versionen von Dateien behält und die Rückkehr zu ihnen erlaubt. Er entsteht beim ersten Einsatz von Git in einem Ordner.
- die Startdateien deiner Shell – eine Handvoll Konfigurationsdateien, die dein Terminal bei jedem Start liest.
Es lässt sich also nicht versehentlich in einen Modus springen, in dem Claude Code still dein System umstellt.
Geh nach diesem Versuch zurück auf Manual, wenn dir das lieber ist. Eine für alle richtige Antwort gibt es hier nicht: bei Arbeit, die du ohnehin laufend durchsiehst, spart Accept edits eine Menge Klicks, und bei etwas Wichtigem gibt Manual Ruhe. Die Modi sind ohnehin ein Thema für sich, dem wir einen eigenen Tipp widmen werden – heute genügt es zu wissen, dass du sie mit einer Tastenkombination wechselst und dass selbst der lockerste seine Grenzen hat.
Die Datei finden, in der das alles gelandet ist
Die Einstellungen aus /config wohnen weder in der Cloud noch an einem magischen Ort. Es ist eine gewöhnliche Textdatei auf deiner Festplatte:
- Windows:
C:\Users\dein-name\.claude\settings.json, also in deinem Benutzerordner - macOS und Linux:
~/.claude/settings.json
Schau hinein – ein gewöhnlicher Texteditor reicht. Du siehst ein paar Zeilen wie "effortLevel": "high". Das sind genau die Werte, die das Panel eben angezeigt hat, nur als Text geschrieben.
Wenn diese Datei fehlt oder ganze zwei Zeilen enthält, ist das kein Fehler. Hineingeschrieben werden nur Werte, die tatsächlich geändert wurden; alles andere läuft auf den Standardwerten und muss nirgends aufgeführt sein.
Diese Datei solltest du aus zwei Gründen kennen. Erstens lässt sich diese Datei auf einen zweiten Rechner kopieren, und du hast sofort dieselben Einstellungen – die Anmeldung wohnt separat, auf der neuen Maschine meldest du dich also nochmals an. Zweitens: wenn sich in der Konfiguration irgendwann etwas verheddert, musst du nichts raten. Öffne die Datei und sieh nach, was wirklich drinsteht.
Es gibt noch eine zweite Ebene von Einstellungen, die zu einem bestimmten Projekt gehört und im Ordner .claude innerhalb dieses Projekts liegt. Heute brauchst du sie nicht – es genügt zu wissen, dass bei Widerspruch zwischen einer Projekteinstellung und deiner eigenen die projektnähere gewinnt.
Thinking ausschalten und den Unterschied sehen
Zum Schluss eine Übung, in der du eine Einstellung änderst, dir die Wirkung anschaust und zum Ausgangspunkt zurückkehrst. Dafür haben wir Thinking gewählt, weil es das Einzige der heutigen fünf ist, dessen Wirkung man innert einer Minute mit blossem Auge sieht.
Stell Claude Code zuerst bei eingeschaltetem Thinking eine Frage, die etwas Nachdenken verlangt:
Erklär mir, wozu es verborgene Ordner überhaupt gibt und warum ihre Namen mit einem Punkt beginnen.
Überflieg die Antwort und merk dir, wie lang sie war. Öffne dann /config, schalte Thinking aus und stell genau dieselbe Frage nochmals.
Den Unterschied siehst du sofort: ohne Nachdenken kommt die Antwort schneller, mit Nachdenken langsamer. Was du für diese paar Sekunden bekommst, beurteilst du am besten selbst, mit beiden Antworten nebeneinander. Das ist Wissen aus dem eigenen Vergleich, nicht aus einer Beschreibung in der Dokumentation.
Schalte Thinking jetzt wieder ein. Der Rest von /config bleibt auf Standard, und zur Konfiguration kehrst du dann zurück, wenn sich deine Arbeitsweise ändert – meist nach einem Monat, wenn sich zeigt, dass dir ein Berechtigungsmodus deutlich besser passt als der andere. Was sich dort zu ändern lohnt und was du stehen lassen solltest, steht in einem eigenen Tipp – ohne Klickerei, dafür mit der Erklärung, woran du diesen Moment erkennst.
Aufgaben
Hak ab, was erledigt ist. Der Stand wird im Browser gemerkt, du kannst also morgen zu dieser Liste zurückkommen.
-
/configgeöffnet und die Liste einmal von oben nach unten durchgescrollt - Auto-compact geprüft und eingeschaltet gelassen
- Modell auf Sonnet gesetzt
- Ich weiss, dass
/modelmit einem Befehl zur selben Liste führt - Ich weiss, worin sich Thinking von Effort unterscheidet
- Accept edits an einer kleinen, umkehrbaren Änderung ausprobiert
- Geprüft, dass Claude Code bei einer geschützten Datei trotzdem nachfragt
- Datei
settings.jsongefunden und angeschaut - Dieselbe Frage zweimal gestellt, mit und ohne Nachdenken
- Thinking wieder eingeschaltet