Claude Code liest zu Beginn jedes Chats eine Datei namens CLAUDE.md. Wenn du noch keine hast, fang mit der Lektion zur ersten CLAUDE.md an und komm dann hierher zurück.

CLAUDE.md hat eine Eigenschaft, die man leicht vergisst: Auch wenn die KI sie für dich schreibt, landet nichts darin ohne deine Entscheidung.

Neben CLAUDE.md führt Claude Code ein zweites Notizbuch, und dieses gehört ihm selbst. Darin hält es fest, was ihm unterwegs auffällt – dass du es immer auf dieselbe Art korrigierst, dass ein bestimmter Ordner besser unangetastet bleibt, dass du etwas anders nennst, als es angenommen hatte. Bitten musst du darum nicht, und ziemlich sicher steht dort bereits etwas.

In dieser Lektion geht es um dieses zweite Notizbuch: wo es liegt, was darin steckt und was zu tun ist, wenn etwas Falsches hineingerät.

Zwei Notizbücher, nicht eines

CLAUDE.md und das Notizbuch von Claude Code unterscheidet eine einzige Sache, und alles Weitere folgt daraus: Was in CLAUDE.md landet, entscheidest du. Was ins Notizbuch kommt, entscheidet Claude Code.

In CLAUDE.md schreibst du, was von vornherein feststehen soll – Arbeitsweisen, Bezeichnungen, «das bitte nicht ohne Rückfrage anfassen». Die Datei selbst entsteht meist im Gespräch, aber jeder Satz darin steht dort, weil du es so entschieden hast.

Ins Notizbuch von Claude Code kommt, was sich die KI unterwegs erschlossen hat, meistens aus deinen Korrekturen. Diktiert hat ihr das niemand. Korrigierst du dasselbe ein zweites Mal, notiert sie es vermutlich – lieber das, als es ein drittes Mal zu hören.

Das Notizbuch von Claude Code heisst schlicht Gedächtnis, und so nennen wir es bis zum Ende dieser Lektion. In der Dokumentation findest du es unter der englischen Bezeichnung auto memory.

CLAUDE.md und Gedächtnis liest Claude Code zum Start eines Chats, aber nicht auf dieselbe Weise. CLAUDE.md geht vollständig hinein, wie lang sie auch ist. Aus dem Gedächtnis nimmt es beim Start nur die Hauptdatei, und auch die nur bis zu einer gewissen Länge, während die Dateien mit den einzelnen Erinnerungen erst geöffnet werden, wenn sie sich als nötig erweisen.

Die Aufteilung in eine Hauptdatei (MEMORY.md) und einzelne Erinnerungsdateien hat eine Folge, die man besser gleich kennt. Ob es nach einer Gedächtnisdatei greift, entscheidet Claude Code selbst, mitten im Gespräch – und es kann durchaus zum Schluss kommen, dass es nicht nötig ist. Ein Fakt in einer solchen Datei ist also keine Garantie dafür, dass er berücksichtigt wird; sicher sind nur Anweisungen, die in CLAUDE.md stehen.

Prüfe, ob das Gedächtnis eingeschaltet ist

Das Gedächtnis ist standardmässig aktiv, du musst also höchstwahrscheinlich nichts einstellen. Das hier ist eher ein Blick darauf als eine Konfiguration.

Starte Claude Code in deinem Ordner und tippe:

/memory

Falls Claude Code noch nicht auf deinem Rechner ist: wie du es installierst, zeigt eine eigene Lektion.

Zuoberst siehst du den Status Auto-memory, darunter eine Liste mit drei Einträgen: User memory mit dem Pfad ~/.claude/CLAUDE.md, Project memory mit dem Pfad ./CLAUDE.md und Open auto-memory folder.

Der Status zuoberst ist alles, was hier zu prüfen ist. Steht dort on, arbeitet das Gedächtnis und du kannst weitergehen.

Steht dort stattdessen off, geh auf diesen Eintrag und drück Enter. Dieselbe Taste schaltet das Gedächtnis in beide Richtungen, du schaltest es später also genau gleich wieder aus.

Der dritte Eintrag, Open auto-memory folder, wird gleich nützlich. Lass ihn vorerst in Ruhe – zuerst soll in diesem Ordner etwas zu sehen sein.

Erzähl Claude Code etwas über dich

Ins Gedächtnis wird auch auf ausdrückliche Bitte geschrieben, und damit fängt man am leichtesten an: Du kannst direkt darum bitten, statt zu warten, bis Claude Code von selbst etwas aufschnappt.

Schreib in einem offenen Chat mit Claude Code einen Satz über dich oder über deine Arbeit. Etwas Wahres, und konkret genug, dass sich später prüfen lässt, ob es geklappt hat:

Merk dir, dass ich Hawaii-Pizza mag.

Claude Code bestätigt den Eintrag mit einer kurzen Meldung – du siehst so etwas wie Saved 1 memory – und mehr passiert von deiner Seite aus nicht. Kein Formular, keine Kategorie zum Auswählen.

Leg noch zwei ähnliche Sätze nach, damit im Gedächtnis überhaupt etwas steht. In diesem Schritt dürfen sie so belanglos sein wie der erste – es geht darum, sie nachher in der Datei wiederzuerkennen, nicht darum, dass sie schon nützlich sind.

Eine Sache, die leicht verwirrt: Eine Bitte mit «merk dir» geht ins Gedächtnis und nicht in deine CLAUDE.md. Wenn etwas in CLAUDE.md soll, sag es ausdrücklich – «schreib das in CLAUDE.md» – sonst landet es im Gedächtnis und liegt nicht dort, wo du danach suchst.

Öffne einen neuen Chat und prüfe, ob Claude Code sich erinnert

Der ganze Beweis dafür, dass das Gedächtnis wirklich arbeitet, passt in einen Schritt und ist schnell erledigt.

Schliess den laufenden Chat und starte Claude Code noch einmal, im selben Ordner. Ein neuer Chat hat keine Daten aus dem vorherigen, und der KI-Assistent sieht nicht mehr, was dort stand – alles, was überdauert hat, hat in Dateien überdauert.

Frag jetzt nach dem eben gespeicherten Fakt, aber nicht direkt – nicht «was weisst du über mich», sondern etwas, das dieses Wissen voraussetzt:

Was ist mein Lieblingsgericht?

Nennt die KI die Hawaii-Pizza, hat das Gedächtnis funktioniert. Manchmal erscheint dabei eine Meldung wie Recalled 1 memory, mit der Claude Code dir sagt, dass es auf frühere Notizen zurückgegriffen hat. Sie erscheint nicht jedes Mal, ihr Fehlen bedeutet also nichts.

Und wenn das Gedächtnis nicht funktioniert hat, ist das kein Grund zur Sorge und heisst nicht, dass etwas kaputt ist. Die KI entscheidet selbst, was sich zu speichern lohnt, und sie speichert nicht alles – im nächsten Schritt siehst du, was genau in der Datei gelandet ist.

Jeder Ordner hat sein eigenes Gedächtnis

Das Gedächtnis ist nicht eines für den ganzen Rechner. Claude Code legt für jedes Projekt ein eigenes an, und ein Projekt ist für es der Ordner, in dem du es startest. Was sich bei dieser Übung eingetragen hat, taucht in einem Chat an anderer Stelle nicht auf.

Diese Trennung zahlt sich aus, denn Notizen aus einer Arbeit passen selten zur nächsten. Abmachungen zur Abrechnung haben in einem Chat über Ferienfotos nichts verloren, und was Claude Code beim Schreiben von Offerten gelernt hat, stört beim Ordnen der Unterlagen zu Hause nur.

Daraus folgt ein praktischer Rat für den Alltag: Starte Claude Code im Ordner der Aufgabe, an der du gerade arbeitest, statt immer in einem Ordner darüber. Immer am selben Ort gestartet, sammelt Claude Code alles in ein einziges Gedächtnis, und nach ein paar Wochen hast du einen Sack voller Notizen zu Themen, die nicht zusammengehören. Ein eigener Ordner pro Aufgabe heisst ein eigenes, sauberes Gedächtnis. Wenn du mit Git arbeitest, gilt für Claude Code das ganze Repository als ein Projekt – die Trennung läuft dann über einzelne Repositories, nicht über die Unterordner darin.

Der Wechsel des Ordners löscht nichts. Du gehst zum vorherigen zurück, startest dort Claude Code und findest seine früheren Notizen an Ort und Stelle.

Öffne die Gedächtnisdateien

Am einfachsten siehst du die Gedächtnisdateien, indem du Claude Code im Chat darum bittest:

Zeig mir den Inhalt deiner Gedächtnisdateien für diesen Ordner.

Der zweite Weg führt über /memory und den Eintrag Open auto-memory folder, der diesen Ordner in deinem System öffnet.

Zu sehen bekommst du gewöhnliche Textdateien. Keine Datenbank, nichts Verschlüsseltes: Markdown, derselbe schlichte Text, in dem auch deine CLAUDE.md geschrieben ist. Die Hauptdatei heisst MEMORY.md und funktioniert wie ein Inhaltsverzeichnis: kurze Einträge, je eine Zeile, und längere Erinnerungen in eigenen Dateien daneben.

Lies MEMORY.md ganz durch. Das ist die Stelle, an der diese Lektion am meisten bringt. Du siehst mit eigenen Augen, was der KI-Assistent für merkenswert hielt und was er hat durchgehen lassen, und hin und wieder hat er etwas notiert, das du ihm gar nicht mitgeben wolltest.

Die meiste Aufmerksamkeit verdienen die kurzen Beschreibungen bei den einzelnen Einträgen, denn sie leisten hier die ganze Arbeit. MEMORY.md wird zu Beginn jedes Chats geladen und sagt Claude Code, was in den übrigen Dateien liegt. Genau anhand dieser Beschreibungen entscheidet Claude Code, ob es eine Erinnerungsdatei überhaupt öffnet.

Eine Beschreibung, die nicht zum Inhalt passt, ist deshalb gefährlicher, als sie aussieht. Die Datei kann voller treffender Notizen sein und trotzdem nie geöffnet werden, weil aus dem Verzeichnis nicht hervorging, dass darin etwas zum Thema steht. Geh die Beschreibungen eine nach der anderen durch und prüfe, ob jede wirklich ankündigt, was drinsteht.

Das Gedächtnis aufräumen

Gedächtnisdateien veralten mit der Zeit. Einen unpassenden Eintrag löschst oder korrigierst du am einfachsten im Chat, und üben kannst du das gleich an der Pizza:

Vergiss, dass ich Hawaii-Pizza mag.

Claude Code findet diesen Eintrag in seinen Dateien und löscht ihn. So sieht es im Alltag meistens aus: Du sagst, was sich geändert hat, und um den Rest kümmert sich der KI-Assistent.

Einzelne Einträge zu korrigieren reicht auf Dauer nicht. Nach unseren Beobachtungen legt Claude Code neue Erinnerungen bereitwilliger an, als es alte bearbeitet oder löscht, sodass sich in den Gedächtnisdateien mit der Zeit Dubletten und längst überholte Einträge ansammeln.

Ab und zu lohnt sich deshalb ein Durchgang durch das ganze Gedächtnis. Am einfachsten bittest du mit diesem Auftrag darum:

Lies alle deine Gedächtnisdateien, prüfe sie auf Dubletten und prüfe, ob der Rest noch aktuell ist. Wo du etwas nicht weisst, frag mich – ich helfe dir beim Aufräumen.

Der letzte Satz in diesem Auftrag ist der wichtigste. Ohne ihn entscheidet Claude Code selbst, welcher von zwei widersprüchlichen Einträgen der richtigere ist, und genau das ist eine Frage an dich.

Was du aus dieser Lektion mitnimmst

Das Gedächtnis ist ein zweites Notizbuch, neben CLAUDE.md. Was in CLAUDE.md landet, entscheidest du; was ins Gedächtnis kommt, entscheidet Claude Code, meist aufgrund deiner Korrekturen. Sicher sind nur Anweisungen, die in CLAUDE.md stehen.

Jeder Ordner hat sein eigenes Gedächtnis. Starte Claude Code deshalb im Ordner der Aufgabe, an der du arbeitest, statt überall am selben Ort – sonst sammelt sich alles in einem Sack.

Die Beschreibungen in MEMORY.md entscheiden über den Rest. Sie werden zu Beginn jedes Chats geladen, und anhand von ihnen entscheidet Claude Code, ob es nach einer Erinnerungsdatei greift. Eine Beschreibung, die am Inhalt vorbeigeht, vergräbt die Datei gründlicher als gar keine.

Das Gedächtnis braucht Ordnung. Einträge kommen schneller dazu, als sie verschwinden, also gib ab und zu einen Durchgang durch das Ganze in Auftrag – mit dem Zusatz, dass Claude Code bei Widersprüchen dich fragt.

Aufgaben

  • Gedächtnis mit /memory geprüft
  • Drei Fakten auf deine Bitte hin gespeichert
  • Neuen Chat geöffnet, Claude Code nutzt darin die gespeicherten Fakten
  • MEMORY.md von oben bis unten gelesen
  • Beschreibungen bei den Einträgen geprüft: jede kündigt an, was drinsteht
  • Einen unpassenden Eintrag korrigiert oder gelöscht