Das automatische Gedächtnis notiert im Hintergrund, was es für nützlich hält: dass dir kurze Antworten lieber sind, dass in diesem Ordner die Rechnungen liegen, dass du dieselbe Korrektur nun zum zweiten Mal meldest. Diktiert hat ihm das niemand, und es fragt vor dem Notieren auch nicht nach – genau das macht es bequem.

Das Gedächtnis ist standardmässig eingeschaltet. Möchtest du zuerst sehen, was es bereits über dich festgehalten hat, zeigt dir die Lektion über das Gedächtnis von Claude Code, wo diese Dateien liegen und wie du sie durchgehst.

Einen Haken hat die Sache: Angaben, an denen dir wirklich liegt, landen dort nur, wenn Claude Code sie für notierenswert hält oder wenn du ausdrücklich darum bittest. Daneben lohnt sich deshalb ein eigener Wissensspeicher – ein Ordner mit Dateien, den die KI nach deinen Vorgaben anlegt und füllt, dazu eine klare Aufteilung, was dort hineingehört und was beim automatischen Gedächtnis bleibt.

Was ein eigener Wissensspeicher ist – und was ihn vom Gedächtnis unterscheidet

Ein eigener Wissensspeicher besteht aus ein paar Markdown-Dateien in dem Ordner, in dem du arbeitest, und aus einem Satz in CLAUDE.md, der Claude Code sagt, was in diesen Dateien steht und wann es sie öffnen soll. In den Einstellungen gibt es dafür keinen Schalter – diese Struktur gibst du bei Claude Code in Auftrag.

In unseren Workshops nennen wir den Ordner schlicht daten. Der Name ist ein Vorschlag, keine Vorgabe: Deiner darf anders heissen, kaputt geht dadurch nichts. Es zählt der Inhalt, und bei uns sind das vier Dateien:

  • profil.md – wer du bist, was du machst und wie du arbeitest; dieser einen Datei ist bei uns eine eigene Lektion mit einem Interview aus achtzehn Fragen gewidmet
  • angebot.md – was du verkaufst und zu welchen Bedingungen
  • kundenpersona.md – keine reale Person, sondern die allgemeine Beschreibung der Kundschaft, an die sich dein Angebot richtet
  • tagesplan.md – deine Ziele und die Aufgaben, die vor dir liegen

Leicht zu verwechseln ist der Wissensspeicher mit deinen Arbeitsdateien: eine Bestellliste, eine Auswertung aus irgendeinem System, ein Export aus der Buchhaltung. Das ist kein Gedächtnis und gehört nicht hinein. Der Speicher hält fest, was morgen und in einem halben Jahr noch stimmen soll. Eine Datei mit Daten zum Verarbeiten bleibt liegen, wo sie lag.

Den ganzen Speicher legt Claude Code für dich an, auf deine Bitte hin:

Lege in dem Ordner, in dem wir gerade sind, einen Unterordner für meine dauerhaften Angaben an, darin pro Thema eine eigene Datei: wer ich bin und was ich mache, was ich verkaufe, wer meine Kundschaft ist, welchen Plan ich für das kommende Quartal habe. Den Inhalt jeder Datei diktiere ich dir später. Ergänze ausserdem in CLAUDE.md einen Satz, der sagt, was in diesen Dateien steht und wann du sie lesen sollst. Zeig mir zuerst die Dateinamen und diesen Satz, und speichere erst nach meinem Ja.

Als Antwort bekommst du einen Vorschlag für die Namen, leere Dateien und einen Satz für CLAUDE.md, etwa in der Art: «Meine dauerhaften Angaben liegen im Ordner daten – lies die passende Datei, wenn du wissen musst, wer ich bin oder was ich verkaufe». Dieser Satz ist hier das Wichtigste, denn CLAUDE.md liest Claude Code zu Beginn jedes Gesprächs, die Dateien des Speichers dagegen erst dann, wenn es sie für nötig hält.

Zwei Arten von Speicher: global und pro Projekt

Fang mit einem einzigen, globalen Speicher an. Er liegt in deinem Hauptarbeitsordner und hält fest, was unabhängig davon gilt, woran du gerade arbeitest. Claude Code liest CLAUDE.md nicht nur aus dem Ordner, in dem du es startest, sondern auch aus den Ordnern darüber – ein weit oben geschriebener Satz gilt also für alles, was darunter liegt.

Ein Projektspeicher ersetzt den globalen nicht, er kommt an einer Stelle dazu. Leg ihn erst an, wenn ein einzelnes Kundenprojekt eigene Angaben mitbringt, die im globalen Speicher nur stören würden: eigene Termine, eigene Abmachungen, eigene Bezeichnungen für die Dinge. Zwei Speicher sind zwei Orte, die gepflegt sein wollen; der zweite braucht also einen Grund.

Der eigene Speicher hat diese Obergrenze nicht

Das Gedächtnis hat ein Inhaltsverzeichnis – die Datei MEMORY.md, von der zu Gesprächsbeginn die ersten 200 Zeilen oder die ersten 25 Kilobyte geladen werden, je nachdem, welche Grenze zuerst kommt. Der Rest wird nicht mehr geladen. Nähert sich das Verzeichnis dieser Grenze, erhält Claude Code das Signal, es zu kürzen.

Der Mechanismus funktioniert, nur entscheidet die KI, was aus dem vollständigen Verzeichnis herausfällt. Dein eigener Speicher hat kein einzelnes Verzeichnis, das zusammengedrückt werden muss – er wächst so, wie du ihn in thematische Dateien aufteilst. Für ein neues Kundenprojekt legst du eine eigene Datei an, statt eine Zeile in einer begrenzten Liste zu ergänzen.

Eine Grenze gibt es auch hier, an anderer Stelle. Der Satz in CLAUDE.md, der auf den Speicher zeigt, muss kurz bleiben, weil CLAUDE.md bei jedem Gespräch vollständig geladen wird – die Dokumentation empfiehlt, CLAUDE.md unter 200 Zeilen zu halten, denn je länger die Datei, desto weniger hält sich Claude Code daran.

Zwischen zwei Geräten zieht nur der eigene Speicher mit um

Das Gedächtnis ist lokal, und die Dokumentation sagt es unmissverständlich: Diese Dateien werden weder zwischen Computern noch mit Cloud-Umgebungen geteilt. Sie liegen im Konfigurationsordner von Claude Code, in deinem Benutzerverzeichnis – getrennt von deinen Dokumenten, an einem Ort, der beim Umzug auf einen zweiten Computer normalerweise auf dem alten zurückbleibt.

Dein eigener Speicher liegt dort, wo du arbeitest, und zieht deshalb mit den übrigen Dateien mit um. Was auch immer diesen Ordner synchronisiert – eine Cloud-Ablage oder ein Repository auf GitHub –, nimmt den Speicher mit, und auf dem zweiten Computer findet Claude Code dieselben Angaben und denselben Satz in CLAUDE.md vor. Wer am Laptop und am Arbeitsplatzrechner arbeitet, hat so einen Wissensstand statt zwei, die auseinanderlaufen.

Vier Ebenen der Erinnerung, nicht zwei Möglichkeiten

Jede Datei im Speicher legt Claude Code an und füllt sie auch – du sagst, was darin stehen soll. Die Ebenen unterscheiden sich nicht darin, wer schreibt, sondern darin, wer über einen Eintrag entscheidet und wann.

Zwei Ebenen haben wir schon:

Das automatische Gedächtnis entscheidet aus eigenem Antrieb und fragt nichts. Du führst es nicht.

Die Angabendateien im Speicher – Profil, Angebot, Persona, Plan – entstehen aus dem, was du ausdrücklich diktierst: «ergänz in meinem Profil, dass ich vor allem mit Treuhandbüros arbeite». Die Entscheidung liegt bei dir, das Aufschreiben übernimmt die KI.

Nun kommen zwei weitere Ebenen dazu, die ähnlich arbeiten wie das Gedächtnis: Claude Code formuliert den Inhalt selbst, ohne dass du ihn vorgibst, aber ausschliesslich auf deine ausdrückliche Anweisung hin.

Die Aufzeichnung deiner Arbeit mit der KI zerfällt in zwei Sorten von Eintrag. Der Changelog ist eine einzelne Datei, ein Register der Änderungen an deinen Dateien: Claude Code ergänzt darin einen datierten Eintrag darüber, was seit dem letzten Speichern entstanden ist, was sich geändert hat und worin die Änderung bestand. Der Gesprächsverlauf ist ein ganzer Ordner, und darin steht pro Sitzung eine kurze Zusammenfassung – worum es ging, was abgemacht wurde, was daraus folgte. Diese Zusammenfassungen liegen einzeln, weil die KI pro Gespräch eine schreibt und die Datei nach der Kennung dieses Gesprächs benennt.

Für Changelog und Gesprächsverlauf schreibst du am besten einen Skill – eine Anleitung in einer eigenen Datei, nach der Claude Code greift, sobald es eine passende Anweisung erkennt. Wie eine solche Datei entsteht, zeigen wir Schritt für Schritt am Beispiel des Plans für den Morgen. Hier startet ihn ein kurzes Wort: in unserem Beispiel «speichern», du kannst aber auch etwas anderes vereinbaren, etwa «auf Wiedersehen» oder «Feierabend».

Lege im Ordner daten eine leere Datei changelog.md und einen Unterordner gespraechsverlauf an. Schreib danach einen Skill, der startet, wenn ich «speichern» schreibe. Er soll zwei Dinge tun. Erstens oben in der Datei daten/changelog.md einen datierten Eintrag ergänzen, welche Dateien seit dem letzten Speichern entstanden sind oder sich geändert haben und worin die Änderung bestand. Zweitens eine kurze Zusammenfassung unseres Gesprächs im Ordner daten/gespraechsverlauf ablegen, in einer Datei, die nach der Kennung dieses Gesprächs benannt ist – existiert diese Datei bereits, soll er sie aktualisieren statt eine zweite anzulegen. Zeig mir, was in diesem Skill stehen wird, bevor du ihn speicherst.

Claude Code zeigt dir den Inhalt des Skills und seinen Ablageort und speichert ihn erst, wenn du einverstanden bist. Ab da genügt ein Wort im Gespräch, um den Arbeitstag abzuschliessen.

Passwörter und Kundendaten gehören in keine der Ebenen

Der eben entstandene Skill «speichern» fasst ganze Gespräche zusammen – und in einem Gespräch fällt schnell einmal ein Passwort für ein Portal oder eine Kontonummer.

Alle vier Ebenen sind gewöhnliche Textdateien im Markdown-Format, in denen nichts verschlüsselt ist. Deshalb dürfen heikle Daten dort nie landen.

Der Skill «speichern» braucht daher eine Anweisung zur Absicherung:

Ergänze im Skill «speichern» eine Sicherheitsregel. Schreib weder in den Changelog noch in den Gesprächsverlauf Passwörter, API-Schlüssel, Kontonummern oder Personendaten meiner Kundschaft. Lass sie weg, auch wenn sie im Gespräch gefallen sind, und setz an die Stelle eines solchen Werts einen kurzen Vermerk, welche Art von Angabe dort stand (statt eines Passworts also nur, dass ein Passwort genannt wurde). Zeig mir den Text der Anweisung, bevor du irgendetwas änderst.

Dank dieses Vermerks weisst du in einem Monat noch, dass es in jenem Gespräch um den Zugang zu einem Dienst ging, auch wenn der Skill die Zugangsdaten selbst nicht aufbewahrt hat.

Überlass die Wahl der Ebene dem Skill «speichern»

Die Wahl der Ebene ist nicht schwierig. Eine Beobachtung dazu, wie du arbeitest, bleibt im automatischen Gedächtnis. Eine dauerhafte Angabe über dich, dein Angebot, deine Kundschaft oder deine Pläne gehört in eine Angabendatei. Eine Änderung an Dateien geht in den Changelog, Abmachungen aus dem Gespräch in den Gesprächsverlauf. Nur lohnt es sich nicht, das bei jedem Gespräch selbst zu entscheiden und der KI jedes Mal dieselbe Regel zu wiederholen – der Skill, den du schon hast, wendet sie für dich an, wenn du sie ihm einmal diktierst.

Ergänze im Skill «speichern» eine Anweisung, wohin welche Art von Information geht. Beobachtungen dazu, wie ich arbeite und was ich bevorzuge – lass sie in deinem eingebauten Gedächtnis, hol sie nicht in meine Dateien. Eine dauerhafte Angabe über mich, mein Angebot, meine Kundschaft oder meine Pläne – ergänze sie in der passenden Datei im Ordner daten. Die Information, dass eine Datei entstanden ist oder sich geändert hat – trag sie in daten/changelog.md ein. Abmachungen aus dem Gespräch – in die Zusammenfassung im Ordner daten/gespraechsverlauf. Passwörter, API-Schlüssel, Kontonummern und Personendaten meiner Kundschaft – nirgendwohin. Zeig mir die Anweisung, die du im Skill ergänzt, bevor du sie speicherst.

Von da an beantwortet Claude Code die Frage «wo speichere ich das» selbst, ohne dich.

Gesprächsverlauf, wenn du an einem einzigen Projekt arbeitest

Die Arbeit an einem einzelnen Kundenprojekt soll sich nicht mit allem anderen vermischen: weder dessen Dateiänderungen im globalen Changelog noch die Zusammenfassungen deiner Gespräche darüber im globalen Verlauf. Hat der Ordner, in dem du arbeitest, einen eigenen Projektspeicher, gehören Changelog und Verlaufsordner genau dorthin. Beim ersten Speichern existiert ein solcher Speicher meistens noch nicht, also überlässt du die Frage nach dem Anlegen am besten dem Skill:

Ergänze den Skill «speichern» um den Projektspeicher. Hat der Ordner, in dem wir arbeiten, bereits einen eigenen Wissensspeicher, leg Changelog und Verlauf dieses Gesprächs dort ab. Hat er keinen, frag mich, ob du einen anlegen sollst. Sage ich Ja, leg ihn an und speichere darin. Sage ich Nein, speichere Changelog und Zusammenfassung im globalen Speicher, halte mein Nein in der Datei CLAUDE.md dieses Projekts fest und frag mich kein zweites Mal. Beschreib mir zuerst, wie diese Frage in der Praxis aussehen wird.

Das erste «speichern» in einem neuen Projekt endet somit mit einer einzigen Frage: ob hier ein eigener Speicher entstehen soll. Du antwortest einmal. Nach deinem Ja legt Claude Code ihn an, nach deinem Nein hält es dieses Nein in der CLAUDE.md des Projekts fest – und dieser Eintrag sorgt dafür, dass die Frage beim nächsten Speichern nicht wiederkommt.

Den Speicher ausbauen, wenn die Zahl der Dateien wächst

Gewöhnliche Markdown-Dateien sind die einfachste Art der Ablage und reichen für den Anfang vollkommen. Nach einem Jahr Arbeit liegen im Verlaufsordner allerdings einige hundert Dateien, und zwei Dinge fangen an zu drücken. Von Hand gehst du sie nicht mehr durch, und die KI öffnet nur jene, die sie für einschlägig hält. Dazu kommt: In Dateien wird nach Wörtern gesucht, du erinnerst dich aber an den Sinn eines Gesprächs und nicht an seinen Wortlaut.

Wir zeigen hier nur zwei Richtungen, in die sich der Speicher ausbauen lässt – ohne Details, denn jede davon würde einen eigenen Beitrag füllen.

Eine Datenbank statt Markdown-Dateien. Einträge in einer Datenbank liegen nicht über einige hundert Dateien verstreut, sondern an einem Ort, nach denselben Regeln geordnet: Datum, Kundschaft, Thema. Diese Ordnung macht den Unterschied. Eine Sache zu finden heisst nicht mehr, alles Übrige durchzusehen; die Suche bleibt schnell, statt mit jeder weiteren Notiz langsamer zu werden.

Semantische Suche, auch RAG-Index genannt. Die gewöhnliche Suche findet genau das Wort, das du eingibst. Die semantische versteht, wonach du fragst. Ein Beispiel: Du brauchst, was zu einer Kündigung festgehalten wurde. Ohne RAG-Index kann die KI deine Notizen nur nach bestimmten Wörtern durchsuchen, etwa nach «Kündigung» – und findet in unserem Beispiel nichts, weil dieses Wort im Verlauf gar nie fiel: Dort steht «der Vertrag wurde nicht verlängert». Ein RAG-Index beschreibt jede Notiz nicht über die Wörter, die darin stehen, sondern über ihre Bedeutung. Darum bedeuten «Kündigung» und «nicht verlängerter Vertrag» für ihn dasselbe, und die Frage nach der Kündigung landet beim richtigen Gespräch.

Am Anfang denk aber weder an eine Datenbank noch an RAG. Ein Speicher mit einem guten Dutzend Dateien braucht nichts davon. Wenn du merkst, dass die Dateien nicht mehr reichen, komm hierher zurück, zeig deinem KI-Agenten diesen Abschnitt und frag ihn, ob das eine gute Idee für den Ausbau deines Speichers ist.

Kurz gefasst

Das automatische Gedächtnis und dein eigener Wissensspeicher teilen sich die Arbeit. Das Gedächtnis sammelt seine Beobachtungen selbst, im Hintergrund; der Speicher hält fest, was sicher sein soll – die Angaben, die du diktierst, dazu die Dateiänderungen und den Gesprächsverlauf, die Claude Code erst auf deine Anweisung hin ergänzt.

Du beginnst mit einem globalen Speicher und legst einen Projektspeicher dann dazu, wenn ein Kundenprojekt einen eigenen Platz einfordert. Die Regel für die Wahl der Ebene packst du am besten in einen Skill – denn das einzige Gedächtnis, das in dieser Aufstellung noch versagt, ist deines.