Der erste Tag unserer Workshops hat zehn Teile, und der längste davon dreht sich weder um das Terminal noch um Automatisierung. Fast zwei Stunden lang erzählen die Teilnehmenden der KI von sich, von ihrer Kundschaft und von ihrem Angebot, und die KI schreibt daraus Dateien. Claude Code installieren wir erst, wenn diese Dateien fertig sind. Die Reihenfolge ist Absicht: Ohne diese Dateien beginnt jede Aufgabe, die du später einem KI-Agenten gibst, mit Raten.
Profil, Persona und Angebot – drei Dateien und wo sie liegen
Profil, Persona und Angebot sind drei getrennte Dateien: Die erste beschreibt dich, die zweite deinen idealen Kundentyp, die dritte das, was du verkaufst. Du schreibst sie, weil jedes neue Gespräch mit Claude Code ohne Wissen über dich beginnt. Was wie ein Gedächtnis aussieht, sind gespeicherte Notizen und Dateien, die Claude Code zu Beginn des Gesprächs liest. Gibt es nichts zu lesen, fragt der KI-Agent nach oder rät – und was er rät, ist meistens allgemein.
Alle drei sind gewöhnliche Textdateien im Format Markdown. In den Workshops heissen sie profil.md, persona.md und angebot.md, die Namen kannst du aber frei wählen. In einem Projekt in claude.ai oder in Claude Desktop lädst du sie in das Projektwissen hoch. In Claude Code liegen sie im Ordner, in dem du arbeitest, und wo sie zu finden sind und wann sie gebraucht werden, sagt dann ein einziger Satz in CLAUDE.md – der Datei mit Anweisungen, die Claude Code zu Beginn jedes Gesprächs lädt. Du kannst die KI bitten, einen Satz in dieser Art zu ergänzen: «Meine festen Angaben stehen in profil.md, persona.md und angebot.md – lies die passende Datei, wenn du wissen musst, wer ich bin, an wen ich schreibe oder was ich verkaufe.» Eine Datei, auf die so verwiesen wird, öffnet Claude Code erst dann, wenn es sie für nötig hält. Darum sagt der Satz in CLAUDE.md auch, wann Claude Code ins Profil, in die Persona oder ins Angebot schauen soll – ohne diesen Hinweis greift es womöglich gar nie darauf zurück.
Was in Profil, Persona und Angebot steht, sind feste Fakten. Du schreibst sie einmal auf und passt sie an, wenn sich deine Arbeit ändert: Eine neue Dienstleistung kommt dazu, ein anderer Kundentyp, eine neue Preisliste. Darin unterscheiden sie sich von Notizen, die mit jedem Gespräch mehr werden.
Wie du neben diesen festen Fakten ablegst, was mit jedem Gespräch wächst, beschreiben wir im Tipp zum eigenen Wissensspeicher.
Profil: eine Datei über dich, nicht über deine Firma
Das Profil beschreibt dich, und deine Firma ist darin nur eines von mehreren Themen. In den Workshops entsteht das Profil aus einem Interview in drei Teilen, und diese Teile zeigen gut, was hineingehört:
- wer du bist – deine Rolle, womit du dich beschäftigst, welche Werkzeuge du nutzt, wie dein gewöhnlicher Tag aussieht und zu welchen Zeiten du am konzentriertesten arbeitest;
- was dich bremst – was am meisten Zeit frisst, obwohl es das nicht sollte, was dich ärgert, welche Projekte du führst und welche Verpflichtungen gerade anstehen, worüber du allein entscheidest und was du zuerst mit jemandem absprechen musst;
- wohin du willst – deine Ziele für das nächste Jahr, wovon du mehr und wovon du weniger machen möchtest, wie du Rückmeldungen am liebsten bekommst und in welchen Fragen die KI dich zuerst fragen soll.
Jede dieser Angaben hilft bei einer anderen Aufgabe. Kennt die KI deine Zeiten für konzentriertes Arbeiten nicht, setzt sie im Tagesplan das Schreiben einer Offerte auf eine Stunde, in der du dich ohnehin nicht konzentrieren kannst. Weiss die KI nicht, was du mit jemandem absprechen musst, verspricht sie in der Antwort auf eine Kundenanfrage einen Termin, für den du noch kein Okay hast.
Am einfachsten entsteht ein Profil im Interview: Die KI stellt Fragen, du antwortest. Den ganzen Ablauf, samt dem Satz, mit dem du in CLAUDE.md auf das Profil verweist, beschreiben wir in der Lektion zum Profil in Claude Code.
Persona: an wen du schreibst und mit welchen Worten
Eine Persona beschreibt keine bestimmte Person, sondern den Kundentyp, an den sich dein Angebot richtet. Deshalb stehen in der Datei die gemeinsamen Merkmale deiner Kundinnen und Kunden und keine Namen oder Daten von jemandem, mit dem du zusammenarbeitest. Die Persona bekommt eine eigene Datei, weil sie jemand anderen beschreibt als dich: Das Profil sagt dem KI-Agenten, wer schreibt, die Persona sagt ihm, an wen.
Eine gute Persona beschreibt:
- wer dieser Kundentyp ist – Rolle, Art und Grösse der Firma, der Umgang mit Technik;
- was er will und wo es wehtut – Ziele, Probleme und woran er merkt, dass es geklappt hat;
- was ihn dazu bringt, Hilfe zu suchen, und welche Einwände er vorbringt, zusammen mit deinen Antworten darauf;
- mit welchen Worten er über sein Problem spricht – Begriffe, die bei ihm ankommen, der Ton, den er erwartet, und was du im Gespräch mit ihm besser vermeidest.
Am meisten bringt die Beschreibung der Sprache, die deine Kundschaft spricht. Ein LinkedIn-Post oder eine Antwort auf eine Anfrage, ohne Persona geschrieben, klingt wie ein Text für alle. Hat die KI eine Persona, schreibt sie mit den Worten, die deine Kundinnen und Kunden selbst verwenden.
In den Workshops machen wir die Persona direkt nach dem Profil, weil die KI dafür die Angaben aus profil.md nutzt. Weisst du, wer deine Kundschaft ist, stellt die KI Fragen und ordnet deine Antworten. Weisst du es noch nicht, schlägt sie ein paar Kundengruppen vor, die zu dem passen, was im Profil steht, und du wählst eine davon aus.
Angebot: woher die KI deine Preise nimmt
Das Angebot ist die Datei mit deinen Dienstleistungen oder Produkten. Zu jeder Position gehören: der Name, für wen sie gedacht ist, welches Problem sie löst, in welcher Form du sie anbietest, was die Kundin oder der Kunde bekommt, der Preis und die Art der Abrechnung, die Dauer und was sie von anderen abhebt. Bei mehreren Produkten wird aus dieser Datei ein Katalog.
Das Wichtigste darin ist der Preis. Ohne diese Datei hat die KI, die du um eine Offerte bittest, keine Quelle für deinen Ansatz: Entweder fragt sie nach, oder sie nennt eine Zahl, die nur glaubwürdig klingt. Die Datei allein hält die KI noch nicht vom Raten ab, darum lohnt es sich, die Regel ausdrücklich festzuhalten: kein Preis, der nicht im Angebot steht. In Claude Code bittest du darum, sie in CLAUDE.md zu ergänzen, in claude.ai trägst du sie in die Projektanweisungen ein.
Am einfachsten baust du das Angebot aus dem auf, was schon da ist: Die KI holt die wichtigsten Angaben aus deiner Seite mit den Dienstleistungen oder aus der Preisliste. Bevor die KI die Datei speichert, prüf, ob sie die Namen der Dienstleistungen und die Preise richtig gelesen hat – in den Workshops machen wir das gemeinsam mit den Teilnehmenden. Sonst landet ein Fehler, etwa ein Preis exkl. MWST, der als Preis inkl. MWST gelesen wurde, in der Datei, aus der der KI-Agent ihn bei jeder weiteren Offerte nimmt.
Geschäftliches und privates Profil – jedes in einem eigenen Projekt
Ein geschäftliches und ein privates Profil sind zwei verschiedene Dateien, weil bei der Arbeit und ausserhalb davon anderes zählt: andere Ziele, andere Zeiten, ein anderer Ton. Jedes bekommt ein eigenes Projekt. In claude.ai hat jedes Projekt sein eigenes Wissen und seinen eigenen Chatverlauf. In Claude Code, das du im Terminal startest, ist ein Projekt ein Ordner mit eigener CLAUDE.md: Im geschäftlichen Ordner nutzt Claude Code das geschäftliche Profil, im privaten das private. Umschalten musst du nichts.
Claude Code lädt CLAUDE.md aus dem Ordner, in dem du es startest, und aus jedem Ordner darüber. Läge der private Ordner im geschäftlichen, bekäme Claude Code beim Start im privaten Ordner die Angaben aus beiden Profilen auf einmal – und zwei Beschreibungen von dir, die sich widersprechen. Leg die beiden Ordner deshalb nebeneinander ab, nicht ineinander.
Im privaten Projekt gibt es meistens weder Persona noch Angebot – diese Dateien braucht es dort, wo du etwas verkaufst.
Mehrere Kundentypen – mehrere Personas in einem Projekt
Eine Persona reicht nicht mehr, sobald du mehrere Kundentypen hast. In den Workshops fragen wir direkt danach: Hast du einen idealen Kundentyp oder mehrere? Eine Person im Kurs antwortete ohne Zögern, einen einzigen habe sie nie – es seien immer mehrere.
Bei uns in JUSTAUTOMATE gibt es zwei Personas. Die erste ist eine Person, die in einer Schulung lernen will, mit KI zu arbeiten. Die zweite braucht Hilfe dabei, KI in der eigenen Firma einzuführen oder eine Automatisierung aufzubauen. Beide kommen mit einem anderen Problem und beschreiben es mit anderen Worten. Eine gemeinsame Persona würde so allgemein ausfallen, dass der KI-Agent für beide dieselben Texte schreiben würde, die zu keiner der beiden wirklich passen.
Jede Persona bekommt eine eigene Datei, zum Beispiel persona-schulung.md und persona-umsetzung.md, und alle liegen im selben Projekt, neben einem Profil und einem Angebot. Ein eigenes Projekt braucht es hier nicht, weil Profil und Angebot gleich bleiben – eigene Projekte sind für eigene Profile da. In Claude Code nennt der Satz in CLAUDE.md dann jede Persona-Datei und sagt, welchen Kundentyp sie betrifft.
Ob dir eine Persona reicht, kannst du mit der KI prüfen:
Lies persona.md und angebot.md. Prüf, ob alle meine Dienstleistungen sich an den Kundentyp aus der Persona richten oder ob eine davon jemand anderen anspricht – mit einem anderen Problem, anderen Einwänden oder einer anderen Sprache. Falls ja, schlag vor, wie sich die Persona in mehrere aufteilen lässt, aber ändere nichts, bevor ich die Aufteilung freigegeben habe.
Dieser Prompt funktioniert gleich in Claude Code, gestartet im Ordner mit diesen Dateien, und im Chat eines Projekts in claude.ai. Die KI prüft bei jeder Dienstleistung aus dem Angebot, ob sie zum Kundentyp aus der Persona passt, und zeigt dir die, die zu jemand anderem passen.
Kurz gefasst
Leg Profil, Persona und Angebot an, bevor du mit einem KI-Agenten irgendetwas aufbaust, das dich, deine Kundschaft oder dein Angebot betrifft. Reicht ein Profil oder eine Persona nicht mehr, bekommt das zweite Profil ein eigenes Projekt, und die zweite Persona kommt ins selbe Projekt, neben die erste.