Am Montag macht dein KI-Agent die erste Analyse deiner Offerten und findet die Spalte mit den Kommentaren, bevor du sie ihm zeigen kannst. Am Dienstag legt er eine Datei unter einem anderen Namen an als gestern, am Mittwoch fragt er zum dritten Mal, wie viel Energie du heute hast, und am Donnerstag ist deine Limite aufgebraucht, bevor du richtig angefangen hast. So sieht die erste Woche bei vielen aus, die wir in unseren Kursen begleiten, und nichts davon heisst, dass etwas falsch eingerichtet ist. Gegen das Problem vom Dienstag und das vom Mittwoch reicht je ein Satz, den Claude Code auf deine Bitte in die CLAUDE.md schreibt, und das vom Donnerstag legt sich, sobald alles eingerichtet ist.

Die erste Woche: Korrekturen an den Regeln, nicht an dir

Die erste Woche mit Claude Code besteht vor allem darin, die Dateien nachzubessern, die dein KI-Agent zu Beginn jedes Gesprächs liest, meistens die CLAUDE.md. Die Teilnehmenden unserer Kurse suchen den Fehler meist in ihren Prompts, dabei fehlt eine Regel, die Claude Code nirgends herhaben konnte. Ohne sie rät er – vernünftig, nur nicht immer so, wie du es willst.

Aufgaben mit einem klaren Anfang und Ende klappen dagegen sofort: die Durchsicht einer umfangreichen Tabelle, eine erste Analyse von Offerten, ein Vertrag in zwei Sprachen, der Tagesplan – und meist dauern sie viel weniger lang, als wenn du sie von Hand machst.

Du erklärst Claude Code mehrmals dasselbe, er stimmt zu und macht es am nächsten Tag wieder wie vorher. Bei Teilnehmenden zeigte sich mehrmals, dass er die Regel in seinem automatischen Gedächtnis abgelegt hatte und nicht in der CLAUDE.md. Laut Dokumentation bewirkt die Bitte «merk dir das» genau das: Die Regel landet dann im automatischen Gedächtnis, aus dem Claude Code zu Beginn eines Gesprächs nur das Verzeichnis der Notizen lädt; eine Notiz selbst öffnet er erst, wenn er sie für nötig hält. Soll eine Regel in jedem Gespräch gelten, sag Claude Code ausdrücklich, er soll sie in die CLAUDE.md schreiben, statt sie sich zu «merken».

Ein KI-Agent, der mehr macht, als du willst

In der ersten Woche macht ein KI-Agent gern mehr, als in der Bitte stand. Du bittest um zwei zusätzliche Aufgaben für heute und bekommst einen Plan für den ganzen Monat. Du willst eine Notiz zur Besprechung, und Claude Code legt sie unter einem neuen Namen an und verschiebt den Ordner an einen anderen Ort. In unseren Kursen haben wir auch von Rechercheergebnissen über einen Geschäftspartner gehört, die der KI-Agent in die Beschreibung eines Kalendertermins geschrieben hatte – und diese Beschreibung sah der eingeladene Kunde. Ein anderer KI-Agent wollte unbedingt ein Verkaufssystem anbinden, obwohl ihn niemand darum gebeten hatte.

Ein Teil davon kommt vom Berechtigungsmodus. In neueren Versionen von Claude Code startet eine Sitzung im Terminal standardmässig im Auto-Modus: Claude Code fragt dann nicht um Erlaubnis, und riskante Aktionen wie das endgültige Löschen von Dateien beurteilt im Hintergrund ein separates Modell. Der Auto-Modus stoppt riskante Aktionen, aber wie du deine Dateien benennen willst oder wie viele Aufgaben in deinen Tag passen, weiss er nicht. Das erfährt Claude Code aus einer Regel in der CLAUDE.md, zum Beispiel aus dieser:

Schreib in die CLAUDE.md folgende Regel: Bevor du eine Datei umbenennst, in diesem Ordner etwas verschiebst oder löschst, ein neues Werkzeug anbindest oder etwas hinzufügst, das nicht in meiner Bitte steht, fragst du mich um Erlaubnis. Zeig mir zuerst den Wortlaut dieser Regel und speichere nichts, bevor ich ihn freigebe.

Claude Code zeigt dir den vorgeschlagenen Satz und schreibt ihn nach deinem «Ja» in die CLAUDE.md. In den folgenden Gesprächen hat er ihn ab der ersten Nachricht vor sich. Eine Regel in der CLAUDE.md bleibt allerdings ein Hinweis, an den sich Claude Code zu halten versucht, keine Sperre – die Dokumentation nennt diese Dateien ausdrücklich Kontext und keine erzwungene Konfiguration. Willst du, dass Claude Code vor den meisten Änderungen an Dateien auf deine Erlaubnis wartet, ist dafür der Modus Manual da.

Worin sich die Berechtigungsmodi unterscheiden und wie du mit einem Tastenkürzel zwischen ihnen wechselst, steht im Tipp zu den Berechtigungsmodi.

Ein KI-Agent, der nach allem fragt

Ein KI-Agent kann auch in die andere Richtung übertreiben. In unseren Kursen sehen wir das am häufigsten bei der Tagesplanung: Die KI fragt in jedem Gespräch nach deinem Plan und danach, wie viel Energie du heute hast, obwohl die Antwort schon am Morgen kam. Es fehlt eine Regel, die sagt, wann eine solche Frage Sinn ergibt. Die Teilnehmenden haben das jeweils für sich festgelegt: nach Rechnungen einmal pro Woche, nach dem Tagesplan nur bis zehn Uhr morgens.

Liste die Fragen auf, die du mir regelmässig zu Beginn eines Gesprächs oder mittendrin stellst. Schlag zu jeder vor, wann es sich wirklich lohnt, sie zu stellen, und wann du sie weglassen kannst, und sag mir, in welche Datei diese Regeln gehören. Speichere nichts, bevor ich es freigebe.

Claude Code listet die Fragen auf und schlägt zu jeder eine Regel vor – meist für die CLAUDE.md, und wenn die Fragen aus einem Skill für den Tagesplan stammen, für diesen Skill. Ob er vor einer Dateiänderung oder einem Befehl im Terminal anhält, ist eine andere Sache: Darüber entscheidet der Berechtigungsmodus, nicht die CLAUDE.md.

Die Limite ist am Anfang schneller weg

Die Limite deines Abos ist in der ersten Woche schneller aufgebraucht als später, weil alles erst entsteht: die Einstellungen, die CLAUDE.md, die ersten Korrekturen daran, die ersten Versuche mit Konnektoren. Für all das braucht es lange Gespräche, und Claude Code schickt mit jeder Nachricht das ganze bisherige Gespräch mit. Nach einer längeren Pause verarbeitet Claude Code bei der ersten Nachricht das ganze Gespräch neu, und so kann das Fortsetzen einiger alter, langer Gespräche ein gutes Stück der Limite verbrauchen, bevor die erste neue Aufgabe überhaupt drankommt. Am günstigsten beginnst du eine neue Aufgabe in einem neuen Gespräch, mit dem Befehl /clear.

Für den Start empfehlen wir das Abo Pro, und schon die erste Woche kann zeigen, dass es dir nicht reicht. Ist die Limite regelmässig aufgebraucht, lohnt sich der Wechsel zu Max. In unseren Kursen sehen wir, dass die meisten in den ersten Monaten für Max bezahlen und zu Pro zurückkehren, sobald alles eingerichtet ist. Wer im Moment keine Zeit hat, den eigenen KI-Agenten auszubauen, kommt mit der Limite von Pro meist gut durch.

Wann Pro reicht, wann sich Max lohnt und wie du zwischen den beiden Abos wechselst, steht im Tipp «Pro oder Max». Warum wir für den Anfang Sonnet empfehlen, das weniger von der Limite verbraucht als Opus, erklären wir im Tipp zur Wahl des Modells.

Zeit, die auf zwei Arten fehlt

Zeit für einen KI-Agenten kann auf zwei Arten fehlen, und beide sind normal. Die erste liegt auf der Hand: zehn Stunden Arbeit, Besprechungen ab dem Morgen, und das Einrichten von Claude Code muss immer hinter etwas Dringenderem zurückstehen. In unseren Kursen treffen wir regelmässig Leute, die zur zweiten Sitzung kommen, ohne Claude Code ein einziges Mal gestartet zu haben – und auch dann kannst du noch anfangen. Für eine solche Woche empfehlen wir eine Gewohnheit: den Tagesplan mit deinem KI-Agenten, also jeden Morgen eine Bitte, deinen Tag zu ordnen. Genau das geben wir den Teilnehmenden als Aufgabe für die erste Woche mit.

Die zweite Variante überrascht mehr. Du siehst, wie viel sich machen lässt, jede Aufgabe bringt zwei neue mit sich, und die Uhr zeigt drei Uhr nachts. Hier hilft eine gewöhnliche Liste: Bitte Claude Code, die Ideen für morgen in eine Datei zu schreiben – dort warten sie bis zum Morgen, und du kannst schlafen gehen.

Korrekturen an der CLAUDE.md als normaler Rhythmus der Woche

Die Dokumentation von Claude Code rät, etwas in die CLAUDE.md zu schreiben, wenn Claude Code denselben Fehler zum zweiten Mal macht oder wenn du im Chat eine Korrektur eintippst, die du schon in einem früheren Gespräch gemacht hast. In der ersten Woche kommt das am häufigsten vor, weil die Datei neu ist. Das ist ein gutes Zeichen: Jede Korrektur, die du ergänzt, geht in jedes weitere Gespräch mit.

Am einfachsten machst du daraus ein kurzes Ritual zum Feierabend:

Geh dieses Gespräch durch und liste die Korrekturen und Hinweise auf, die es wert sind, dauerhaft in der CLAUDE.md zu stehen. Schlag jeweils vor, wie man sie formulieren könnte. Speichere nichts, bevor ich es freigebe.

Jede Regel in der CLAUDE.md sollte ausserdem klar sagen, an wen sie sich richtet. In einem unserer Kurse stand in der Datei der Satz «nicht selbständig ändern», gedacht als Erinnerung für einen Menschen – der KI-Agent las ihn als Verbot für sich selbst und hörte auf, diese Datei nachzuführen.

Die CLAUDE.md sollte dabei nicht endlos wachsen. Die Dokumentation empfiehlt weniger als 200 Zeilen pro Datei, weil eine längere mehr Platz im Gespräch einnimmt und Claude Code die Regeln darin weniger konsequent befolgt.

Was in die Datei gehört und was im Gespräch bleiben kann, zeigen wir im Tipp zu Anweisungen im Chat und in der Datei.

Der erste eigene Skill – woran du merkst, dass es Zeit dafür ist

Ein Skill ist ein in einer Datei gespeichertes Rezept für eine wiederkehrende Aufgabe, das Claude Code erst lädt, wenn du ihn aufrufst oder wenn er ihn selbst für nötig hält – anders als die CLAUDE.md, die er in jedem Gespräch liest. Die Dokumentation nennt zwei Zeichen: Du fügst zum wiederholten Mal dieselben Anweisungen, dieselbe Checkliste oder dasselbe mehrstufige Vorgehen in den Chat ein, oder in der CLAUDE.md steht statt einer kurzen Regel schon eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Die Teilnehmenden merken es meist an einem anderen Satz: «Mein KI-Agent vergisst das ständig.»

Einen Skill baust du am besten aus dem, was schon funktioniert. Es kam vor, dass ein KI-Agent von sich aus vorschlug, aus den Prompts einer Teilnehmerin einen Skill zu machen, und seine Version funktionierte schlechter als diese Prompts. Deshalb empfehlen wir, die Aufgabe zuerst gemeinsam mit Claude Code durchzugehen und am Schluss die Schritte, die Claude Code tatsächlich ausgeführt hat, als Skill festzuhalten.

Wie du deinen ersten Skill Schritt für Schritt schreibst, zeigen wir in der Lektion zum ersten Skill.

Kurz gefasst

Macht dein KI-Agent zu viel oder fragt er zu viel, bitte Claude Code, eine Regel in die CLAUDE.md zu schreiben, und soll er vor einer Dateiänderung auf deine Erlaubnis warten, stell den Berechtigungsmodus auf Manual. Bittest du zum wiederholten Mal um dasselbe, denk an einen Skill. Der höhere Verbrauch am Anfang ist der Preis fürs Einrichten und sinkt, sobald alles steht. Und fehlt dir die Zeit, fang mit dem Tagesplan am Morgen an; fehlt dir der Schlaf, mit der Liste der Ideen für morgen.

Den grössten Teil dieser Arbeit macht übrigens Claude Code selbst: Du sagst, was sich ändern soll, und er schreibt die Sätze in seine eigenen Dateien. Die Regel, vor dem Umbenennen einer Datei zu fragen, ist nur ein Beispiel – um jede andere bittest du genauso. Und am Freitag kannst du deinem KI-Agenten eine Aufgabe geben, die am Montag gut lief, und schauen, ob er sie mit den Regeln, die in dieser Woche dazugekommen sind, mehr nach deinem Geschmack erledigt.