Weisst du, was ein Ghostwriter ist? Jemand, der für eine andere Person schreibt. Der Ausdruck fällt meist im Zusammenhang mit Autobiografien berühmter Leute. Hatte die berühmte Person wirklich Zeit, 800 Seiten über sich selbst zu schreiben? Oder hat das jemand anderes für sie getan? Die Antwort darauf kennen wir nicht. Wir wissen aber, wie du eine KI zu deinem Ghostwriter machst. Vielleicht noch nicht für die Autobiografie. Wir fangen mit etwas Einfacherem an – mit Antworten auf Mails in deinem Stil.

Heute baust du einen Skill, der eine Nachricht aus deinem Postfach liest, auf dein gespeichertes Stilprofil zugreift, eine Antwort verfasst und sie in den Gmail-Entwürfen ablegt. Abgeschickt wird sie nicht – jedenfalls nicht am Anfang. Dass die KI selbst versendet, kannst du später einschalten, sobald du sicher bist, dass an ihren Antworten nichts mehr zu korrigieren ist.

Schreib einen Skill, der Antworten vorbereitet

Wie du deinen ersten Skill schreibst, haben wir am Beispiel des Morgenplans gezeigt – für die Grundlagen geh dorthin zurück. Den heutigen Skill erzeugst du ähnlich: Du sagst Claude Code, was zu tun ist, und Claude Code schreibt die Datei. Der Unterschied liegt darin, dass dieser Skill aufwendiger aufgebaut ist und mehr Arbeitsschritte erledigt.

Als Name schlagen wir schreiber vor, aber das ist nur ein Vorschlag – der Name wird zu deinem Befehl, nimm also einen, den du gern tippst, und denk daran, dass du ihn später jederzeit ändern kannst. In dieser Lektion bleiben wir bei schreiber.

Der Schreiber besteht aus zwei Dateien. Die erste ist der Skill selbst – die Anweisung, was der Reihe nach zu tun ist. Die zweite, schreibstil.md, ist das Material: die Beschreibung, wie du schreibst. Sie kommt in das Unterverzeichnis references, so heisst der Ordner üblicherweise, in dem ein Skill Material für den Bedarfsfall ablegt.

Wir teilen das auf zwei Dateien auf, weil mit der Zeit mehrere Stile zusammenkommen können – einer für Kundinnen und Kunden, einer fürs Team – und der Schreiber jedes Mal nur den laden soll, den er gerade braucht.

Hier der Prompt, der den Skill erzeugt:

Speichere einen globalen Skill namens schreiber. Starte ihn auch dann, wenn ich dich um eine Antwort auf eine Mail bitte.
Bevor du den Skill speicherst, zeig mir seinen Inhalt und warte auf mein «ok».

Der Skill arbeitet so:
1. Bevor du eine Antwort schreibst, lies die Datei references/schreibstil.md aus dem Verzeichnis dieses Skills.
2. Die fertige Antwort speicherst du als Entwurf in Gmail. Verschick sie nie.

Falls es die Datei schreibstil.md noch nicht gibt, schreibt der Skill keine Antwort. Stattdessen liest er meine zuletzt gesendeten Nachrichten in Gmail und versucht, daraus meinen Schreibstil zu lernen. Automatische Benachrichtigungen und Nachrichten, die nur aus fremdem, hineinkopiertem Text bestehen, lässt er dabei aus, und wiederkehrende Merkmale trennt er von einmaligen. Danach zeigt er mir, was er gelernt hat, wartet auf meine Korrekturen und speichert erst danach die Datei schreibstil.md.

Claude Code zeigt dir den Skill zur Freigabe. Lies ihn einmal durch und prüf, ob alles drinsteht. Wenn ja, schreib «ok».

Ein Skill, zwei Dateien

Sieh dir an, was entstanden ist:

schreiber/
├── SKILL.md
└── references/
    └── schreibstil.md

Vorerst gibt es nur SKILL.md. Die zweite Datei kommt gleich dazu, beim ersten Lauf des Skills.

Das Laden läuft in drei Stufen. Zu Beginn eines Gesprächs kennt Claude Code nur die Beschreibung des Skills – gerade genug, um zu erkennen, wann er nützlich ist. Nach /schreiber liest es die Anweisung aus SKILL.md. Zur Stildatei greift es zuletzt, kurz bevor die Antwort entsteht.

Derselbe Aufbau zahlt sich in jedem weiteren Skill aus, dessen Ablauf kurz und dessen Material lang ist – etwa bei Vertragsvorlagen oder den Regeln für Rücksendungen.

Bring dem Schreiber deinen Stil aus dem eigenen Postfach bei

Bevor du den Skill zum ersten Mal startest, öffne ein neues Gespräch. Erst dann lädt Claude Code den eben gespeicherten Skill. Es erinnert sich dann auch nicht mehr an das Gespräch, in dem ihr ihn gebaut habt, und du siehst sofort, was in der Datei wirklich funktioniert.

Der erste Lauf dient noch nicht dazu, eine Antwort zu schreiben. Zuerst muss der Schreiber herausfinden, wie du schreibst.

Das Material hast du bereits: deine gesendeten Nachrichten. Du kopierst nichts und sammelst nichts in einer eigenen Datei – Claude Code liest sie direkt aus dem Postfach über den Gmail-Konnektor. Schreib:

Lies meine zuletzt gesendeten Nachrichten in Gmail und lerne daraus meinen Schreibstil.

Eine brauchbare Stichprobe besteht aus gut zwanzig Nachrichten, am besten an verschiedene Personen. Automatische Benachrichtigungen und Nachrichten, die nur aus kopiertem Fremdtext bestehen, lässt der Schreiber aus – so steht es in seiner Anweisung, denn über deinen Stil verraten sie nichts.

Der Schreiber holt sich aus diesen Nachrichten, was wirklich sichtbar ist: die Länge deiner Sätze und Abschnitte, wie förmlich du bist, ob du überhaupt grüsst, wie du Nachrichten beendest, deine Signatur, deine Zeichensetzung, Emojis, deine Anrede und die Wendungen, die bei dir am häufigsten wiederkehren. Was du fast nie tust, hält er gesondert fest, und wiederkehrende Merkmale trennt er von einmaligen – ein einzelnes «Mit freundlichen Grüssen» von vor einem halben Jahr ist noch nicht dein Stil.

Claude Code liest in diesem Schritt mehrere Dutzend echte Nachrichten aus deinem Postfach, samt dem, was andere dir geschrieben haben. Was dabei zum Anbieter des Modells gelangt und was sich dagegen tun lässt, nehmen wir in einem eigenen Tipp auseinander.

Lies dein Profil, bevor der Schreiber es speichert

Nach dem Postfach speichert der Schreiber die Datei noch nicht. Zuerst sagt er dir in normalen Worten, was er gelernt hat – ungefähr so:

«Du schreibst in kurzen Abschnitten, meistens ohne Begrüssung. Emojis verwendest du nicht. Du schliesst mit ‹Danke› und deinem Vornamen ab.»

Geh diese Liste durch und antworte in einem ganz normalen Satz. Zum Beispiel so:

Stimmt alles, nur halte nicht fest, dass ich Funktionsbezeichnungen immer gross schreibe. Ab jetzt möchte ich sie klein. Und ergänze, dass ich bei Kundinnen und Kunden mit «Guten Tag» anfange, beim Team nie.

Erst nach diesen Korrekturen entsteht die Datei schreibstil.md.

Dieser Durchgang ist der wichtigste Moment der ganzen Lektion. Das Postfach zeigt, wie deine Nachrichten bisher ausgesehen haben, mitsamt allem, was dir daran nicht gefällt. Wie die KI von jetzt an schreibt, bestimmst du.

Wenn der Schreiber in deinem Postfach zwei deutlich verschiedene Schreibweisen erkennt, kannst du ihn bitten, das Profil zu teilen – etwa eines für Kundinnen und Kunden, eines fürs Team. Ergänze dann in der Anweisung des Skills, woran die KI erkennt, welchen Stil sie verwenden soll. In unseren Workshops kommen meist zwei Stile heraus: der förmliche und der lockere.

Sperre den Mailversand, bevor du zu testen beginnst

Der Satz «verschick sie nie» in der Anweisung des Skills ist eine Bitte, und der Schreiber hält sich daran. Unter den Werkzeugen des Gmail-Konnektors gibt es aber auch solche, die Nachrichten wirklich verschicken. Neben die Bitte gehört deshalb eine zweite Schicht – eine, die nicht vom guten Willen abhängt.

Geh im Browser zu Customize → Connectors, klick auf das verbundene Gmail-Konto und such den Abschnitt Tool permissions. Stell die Werkzeuge, die Nachrichten senden, auf sie antworten oder sie weiterleiten, auf Blocked. Lass dabei das Werkzeug für Entwürfe frei – ohne es hat der Schreiber nichts, womit er die Antwort ablegen könnte.

Die Berechtigungen der Konnektor-Werkzeuge behandeln wir ausführlicher in der Lektion über Gmail und Kalender.

Der Unterschied ist praktischer Natur: Eine Anweisung lässt sich im Gespräch mit einem unachtsamen Satz überschreiben, ein gesperrtes Werkzeug läuft schlicht nicht an. Die Grenze beim Entwurf ziehst du selbst – sie ist keine Grenze dessen, was der Schreiber kann.

Und genauso verschiebst du sie später wieder. Die Sperre gilt für die Lernphase, denn heute weisst du noch nicht, was dich beim Schreiber erwartet. Der nächste Schritt ist auch nicht gleich die volle Freiheit: Du kannst den versendenden Werkzeugen die Stufe Needs approval geben, bei der der Schreiber dich fragt, bevor eine Nachricht das Postfach verlässt. Erst wenn du diese Frage ein paar Wochen lang bejahst und dabei nichts mehr korrigieren musst, lohnt sich der Gedanke an Always allow.

Teste den Schreiber an einer echten Nachricht

Jetzt der erste Test. Such dir eine einfache Nachricht aus dem Postfach – eine, deren Antwort nicht vom Anhang abhängt.

/schreiber Antworte auf die letzte Nachricht zum Termin des Treffens.

Der Schreiber findet die Nachricht, liest so viel vom Verlauf, wie er braucht, greift auf dein Profil zu und bereitet eine Antwort vor. Zum Schluss legt er sie als Entwurf ab und schreibt dir, dass er nichts verschickt hat.

Öffne nun Gmail und geh zu Entwürfe. Dort sollte die Antwort auf dich warten.

Korrigiere den Entwurf – und sag, ob die Korrektur bleibt

Die erste Antwort klingt selten auf Anhieb richtig, und das gehört zur Übung. Geh zurück ins Gespräch und sag, was zu ändern ist:

Zu förmlich. Bei dieser Person fange ich nicht mit «Guten Tag» an, sondern mit dem Vornamen. Und kürz den letzten Abschnitt.

Der Schreiber korrigiert den Entwurf. Und jetzt kommt der Teil, den man leicht vergisst: Sag ihm, wie weit dein Hinweis reicht.

  • «So schreibe ich immer» – dann soll er auch das Profil anpassen.
  • «Nur in dieser Nachricht» – dann ändert er die Antwort und lässt das Profil in Ruhe.

Ohne diese Unterscheidung wird aus der Stildatei binnen eines Monats eine Sammlung von Ausnahmen, aus der sich keine Regel mehr ergibt.

Schul den Schreiber in zwei Phasen nach

Sag ihm in der ersten Woche nicht nur, was zu ändern ist, sondern erklär auch, woher die Regel kommt und wie weit sie gilt.

Verwende in Mails an Kundinnen und Kunden keine Emojis, bei mir wirken sie zu unförmlich. In Nachrichten ans Team dürfen sie bleiben.

Den Grund zu nennen hilft mehr, als es aussieht. Der Schreiber bekommt dann eine Regel statt eines Einzelfalls und wendet sie auch dort an, wo du ihm nichts ausdrücklich sagst.

Sobald du merkst, dass du nicht mehr jeden zweiten Satz nachbessern musst, ist die zweite Phase dran. Kleine Korrekturen machst du dann direkt in der Nachricht, bevor sie rausgeht. Danach kehrst du ins Gespräch zurück:

Sieh dir meine zuletzt gesendete Nachricht in diesem Verlauf an und vergleich sie mit deinem Entwurf.

Der Schreiber zieht aus dem Unterschied einen Schluss – aber nicht jeder Unterschied ist eine Regel. Bitte ihn, eine Änderung am Stil nur dann vorzuschlagen, wenn er ein wiederkehrendes Muster sieht, und eine einmalige Entscheidung spurlos vorbeigehen zu lassen.

Eines noch. Der Gmail-Konnektor liest den Inhalt von Anhängen nicht. Hängt die Antwort von einer zugeschickten Datei ab, musst du deren Inhalt gesondert liefern. Ein Bild in der Signatur bekommt er ebenfalls nicht hinein – ist deine Signatur grafisch, lass die KI die Nachricht vor der Grussformel enden und setz die Signatur in Gmail selbst ein, über das Stift-Symbol in der Leiste am unteren Rand des Fensters.

Was du aus dieser Lektion mitnimmst

Ein Skill darf aus mehr als einer Datei bestehen. In SKILL.md steht der Ablauf, im Verzeichnis references liegt das Material, zu dem Claude Code erst greift, wenn es gebraucht wird.

Das Stilprofil entsteht aus echten gesendeten Nachrichten, freigegeben wird es aber von dir. Das Postfach sagt, wie deine Nachrichten bisher ausgesehen haben; wie die KI von jetzt an schreibt, ist deine Entscheidung.

Anweisung und gesperrtes Werkzeug sind zwei verschiedene Schichten. Eine Bitte im Skill lässt sich im Gespräch überschreiben, die Berechtigungen des Konnektors nicht. Beide gelten für die Lernphase, und beide fallen weg, sobald der Schreiber so schreibt, dass du ihn nicht mehr korrigierst.

Nicht jede Korrektur an einer Nachricht ist eine neue Regel. Sag jedes Mal, ob die Änderung nur diese eine Mail betrifft oder deinen Stil überhaupt.

Der Schreiber lernt schneller, wenn er den Grund kennt. «Anders» ändert einen Satz, «nicht so, weil …» verändert alle folgenden Antworten.

Aufgaben

Hak ab, was du erledigt hast. Der Stand bleibt im Browser gespeichert, du kannst morgen also zu dieser Liste zurückkehren.

  • Skill von Claude Code gespeichert und im neuen Gespräch nach dem Schrägstrich sichtbar
  • Stilprofil aus gesendeten Nachrichten erstellt und vor dem Speichern der Datei korrigiert
  • Gmail-Werkzeuge, die Nachrichten versenden, auf Blocked gestellt
  • Skill an einer echten Nachricht aus dem Postfach ausprobiert
  • Entwurf in Gmail gefunden und gelesen
  • Eine Korrektur weitergegeben, mit dem Hinweis, ob sie Regel oder Ausnahme ist