Claude Opus 5.5 ist das neue Standardmodell, auch im Pro-Plan
Claude Opus 5.5 ist am Dienstag, 22. September, als erstes Modell der neuen Familie Claude 5.5 erschienen. Laut Anthropic arbeitet es bei den meisten Aufgaben auf dem Niveau von Claude Fable 5.1, antwortet über 30 Prozent schneller als Opus 5 und schreibt klarer, mit der wichtigsten Information am Anfang. Gemäss der Ankündigung führt es deutlich seltener als frühere Modelle Aktionen aus, die sich schwer rückgängig machen lassen, oder überschreitet die Grenzen, die man ihm gesetzt hat. Gegen Prompt Injection, also Anweisungen, die ihm in einem gelesenen Text untergeschoben werden, ist es widerstandsfähiger als Opus 5.
In Claude Code Version 2.1.280, die am selben Tag erschienen ist, wurde Opus 5.5 zum Standardmodell im Max-Plan, wo bisher Opus 5 diese Rolle hatte, und im Pro-Plan, wo es bisher Sonnet war. Hast du in den Einstellungen fest ein anderes Modell gewählt, arbeitet Claude Code weiter damit. Das Modell wechselst du wie bisher mit dem Befehl /model.
Opus 5.5 kostet 4 Dollar pro Million Input-Tokens und 20 Dollar pro Million Output-Tokens, also doppelt so viel wie Sonnet 5. Opus 5 kostet 5 und 25 Dollar, das Zweieinhalbfache von Sonnet. Der Preisabstand zwischen Opus und Sonnet ist damit kleiner als bisher, und davon profitieren alle, die Opus über die API bezahlen. Das sind Tarife für die Abrechnung von Tokens über die API – wie viel von der Limite im Pro- oder Max-Plan welches Modell verbraucht, sagt die Preisliste nicht.
Wer auf Opus 5.5 den Effort ändert, verliert den Cache nicht mehr
Claude Code hält den bereits gelesenen Teil des Gesprächs im Zwischenspeicher des Modells (Prompt Cache), damit das Modell bei der nächsten Antwort nicht alles von vorn liest. Bei den meisten Modellen macht ein Wechsel der Effort-Stufe mitten in der Sitzung diesen Cache ungültig, und bei der nächsten Anfrage wird der ganze bisherige Gesprächsverlauf erneut von Anfang an eingelesen. Deshalb fragt Claude Code, solange der Cache frisch ist, zuerst nach einer Bestätigung. Bei Opus 5.5 bleibt der Cache beim Wechsel der Effort-Stufe erhalten, und Claude Code stellt die Stufe ohne Rückfrage um. Opus 5.5 ist das zweite Modell in Claude Code, das so funktioniert – Fable 5.1 tut das seit Version 2.1.260 vom Donnerstag, 3. September.
Opus 5.5 startet auf der Stufe medium, eine Stufe tiefer als Opus 5. Anthropic gibt an, dass Opus 5.5 auf medium in den eigenen Tests mindestens so gut abschneidet wie Opus 5 auf high. Wir empfehlen, bei der Standardstufe zu bleiben und den Effort erst für einen schwierigeren Abschnitt der Arbeit anzuheben. Das geht jetzt mitten im Gespräch mit dem Befehl /effort, und danach kannst du wieder zurückgehen, ohne dass Claude Code jedes Mal alles neu liest.
Nach einem Modellwechsel baut sich der Cache trotzdem neu auf, weil jedes Modell seinen eigenen hat.
Warum ein Modellwechsel mitten im Gespräch mehr kostet, als es scheint, erklären wir im Tipp Haiku, Sonnet, Opus, Fable – welches Modell wofür.
Höhere Fünf-Stunden-Limite und ein Reset, den du einlöst, wann du willst
Zusammen mit Opus 5.5 hat Anthropic eine höhere Fünf-Stunden-Limite in den Plänen Pro und Max angekündigt, aber nicht gesagt, um wie viel. Über die Wochenlimite, die sich separat geändert hat, haben wir am 14. September geschrieben. Wer ein Abo hat, bekam dazu einen Reset der Limite, den man zu einem selbst gewählten Zeitpunkt einlöst. Der Reset stellt sofort die volle Fünf-Stunden- oder Wochenlimite wieder her – welche der beiden er betrifft, steht in seiner Beschreibung in deinem Konto. Ein Reset lässt sich nicht rückgängig machen, und er verfällt, wenn du vor dem Einlösen in einen tieferen Plan wechselst oder das Abo kündigst.
Den Knopf Reset for free findest du in claude.ai im Browser oder in der Claude-App für den Computer, unter Settings → Usage, im Abschnitt Resets. Hat ein Reset ein Ablaufdatum, siehst du es an derselben Stelle. In claude.ai und in der App für den Computer erscheint derselbe Knopf auch in der Meldung, dass deine Limite aufgebraucht ist. Anthropic baut die Einstellungen von claude.ai ziemlich oft um, der Knopf kann also mit der Zeit anderswo landen. Die automatische Übersetzung im Browser schaltest du dafür am besten aus: claude.ai gibt es nur auf Englisch, und der Übersetzer ändert genau die Beschriftungen, nach denen du suchst.
In Claude Code im Terminal und in VS Code gibt es keinen Reset-Knopf, aber die Limite gilt für das ganze Konto, also ist sie nach einem Reset auch dort wieder voll. Den Reset hebst du am besten für den Tag auf, an dem die Limite mitten in einer wichtigen Arbeit ausgeht, denn bei halb verbrauchter Limite füllt er nur die fehlende Hälfte auf.
Die Tasten y und n bestätigen und schliessen Dialoge von Claude Code im Terminal nicht mehr
Ein einfacher Druck auf y bestätigt in Claude Code im Terminal kein Dialogfenster mehr, und n schliesst keines mehr – so ist es seit Version 2.1.280. Bis jetzt waren beide Buchstaben standardmässig mit diesen Aktionen belegt, und ein versehentlich gedrückter Buchstabe konnte etwas freigeben. Etwas mit einem einzigen Buchstaben zu bestätigen, war riskant, deshalb nehmen wir diese Korrektur erleichtert auf. Jetzt bestätigst du ein Fenster mit Enter und brichst es mit Esc ab. Ausgenommen ist ein Fenster, das selbst y und n als seine Tasten anzeigt – dieses reagiert weiterhin darauf.
Die alte Belegung lässt sich in der Datei mit den Tastenkürzeln, keybindings.json, zurückholen – bitte einfach Claude Code darum. Wurde diese Datei bei dir vor Version 2.1.280 mit dem Befehl /keybindings angelegt, stehen beide alten Belegungen darin und funktionieren weiter, bis du Claude Code bittest, diese zwei Zeilen zu löschen.
Die neue Einstellung maxProseWidth hält Antworttext im breiten Terminalfenster schmal
Die Einstellung maxProseWidth begrenzt die Breite des Texts in den Antworten von Claude Code und funktioniert seit Version 2.1.282 vom Donnerstag, 24. September. Sie hilft, wenn das Terminalfenster die ganze Breite eines grossen Bildschirms einnimmt: Die Zeilen einer Antwort laufen dann von einem Rand zum anderen, und das Auge findet den Anfang der nächsten Zeile nur mit Mühe. Mit dieser Einstellung brechen Absätze, Überschriften und Listen bei der angegebenen Breite um, während Tabellen und Codeblöcke weiter das ganze Fenster nutzen.
Die Breite gibst du in Terminalspalten an, also ungefähr in Zeichen pro Zeile, und sie darf nicht kleiner als 40 sein. Standardmässig ist die Einstellung nicht gesetzt, der Text reicht also bis zum Fensterrand. Um sie einzuschalten, bitte Claude Code darum, zum Beispiel so – die Zahl 100 ist nur ein Beispiel, und je kleiner sie ist, desto schmaler wird der Text:
Setze in meinen Claude-Code-Einstellungen maxProseWidth auf 100.
Ctrl+Enter gibt die Nachricht sofort weiter und unterbricht die Arbeit im Hintergrund nicht
Claude Code lässt dich eine Nachricht nachschieben, während es an einer Aufgabe arbeitet. Nach Enter landet die Nachricht in einer Warteschlange, und Claude bekommt sie, sobald der laufende Schritt fertig ist. Seit Version 2.1.275 vom 17. September gibt es auch das Kürzel Ctrl+Enter, das wartende Nachrichten sofort schickt – nur hat es dabei immer unterbrochen, was Claude gerade tat.
Seit Version 2.1.281 vom Mittwoch, 23. September, unterbricht Ctrl+Enter diese Arbeit nicht mehr, wenn sie im Hintergrund weiterlaufen kann – etwa ein längerer Befehl oder ein laufender Subagent. Diese Arbeit geht weiter, und Claude liest deine Nachricht sofort. Unterbrochen wird nur noch, wenn Claude gerade eine Antwort schreibt oder etwas tut, das sich nicht in den Hintergrund verschieben lässt. Nützlich ist das etwa, wenn Claude Code einen Ordner mit Dokumenten aufräumt und dir einfällt, dass der Ordner mit den Vertragsvorlagen unberührt bleiben soll.
In manchen Terminals wirkt Ctrl+Enter wie ein gewöhnliches Enter – das merkst du daran, dass die Nachricht in der Warteschlange bleibt, statt sofort bei der KI anzukommen. Dann übernimmt Ctrl+X und gleich danach Ctrl+S dieselbe Aufgabe – dieses Paar funktioniert in jedem Terminal.
Erweiterung für VS Code: Fenster Status, Export des Gesprächs und ein Schalter für Skills
Die Erweiterung Claude Code für VS Code hat in Version 2.1.280 mehrere Neuerungen bekommen. Alle öffnest du über das Befehlsmenü, das erscheint, wenn du im Textfeld des Chats auf den Knopf / klickst oder dort / tippst. Jede hat ausserdem einen eigenen Befehl. Die Erweiterung ändert sich zurzeit alle paar Tage, die Abschnitte dieses Menüs können sich also noch verschieben.
Das Fenster Status im Abschnitt Customize – du öffnest es auch mit dem Befehl /status – zeigt die Version von Claude Code, das Konto, das Modell und die MCP-Server der laufenden Sitzung. Dort siehst du, mit welchem Modell du wirklich arbeitest. Der Eintrag Export conversation im Abschnitt Context, auch als Befehl /export verfügbar, kopiert das Gespräch als einfachen Text oder speichert es in einer Datei. Hängst du gleich einen Dateinamen an, zum Beispiel /export notizen.txt, überspringst du das Auswahlfenster und wählst direkt den Ordner, in dem die Datei gespeichert werden soll. So hältst du die Abmachungen aus einem langen Gespräch fest, bevor du es schliesst.
Die dritte Neuerung betrifft Skills. Im Abschnitt Customize gibt es das Fenster Slash commands mit der Liste aller Befehle und Skills, und seit Version 2.1.280 sieht man dort bei jedem Skill, woher er stammt, wie viele Tokens er ungefähr belegt und ob er eingeschaltet ist. Den Zustand eines Skills änderst du mit einem Klick, ausser die Zeile ist als locked markiert – so ist es zum Beispiel bei Skills aus Plugins. Dieses Fenster öffnet auch der neue Befehl /skills. Schau hinein, wenn eine Sitzung den Kontext schnell füllt: Du siehst sofort, welche Skills am meisten Platz belegen. Neu ist auch der Befehl /plan: Er schaltet das Gespräch in den Planungsmodus, und mit einer angehängten Aufgabenbeschreibung bittet er Claude Code gleich um einen Plan.
Anthropic hat ein Portal geöffnet, über das man Plugins für das Claude-Verzeichnis einreicht
Anthropic hat am Freitag, 25. September, ein Portal geöffnet, über das man Plugins für das Claude-Verzeichnis einreicht. Ein Plugin ist ein Paket, in dem jemand Skills, Verbindungen zu externen Diensten (MCP-Konnektoren) oder beides bündelt. Das Verzeichnis durchsuchst du in claude.ai und in der Claude-App für den Computer auf der Seite Customize, und ein Plugin, das du von dort hinzufügst, funktioniert auch in Sitzungen von Claude Code.
Ein Plugin einreichen können alle mit einem bezahlten Claude-Plan, ohne sich vorher für ein Partnerprogramm anzumelden. Uns gefällt, dass dort auch eine einzelne Person ihr Plugin einreichen kann und nicht nur eine Firma. Anthropic prüft jede Einreichung gleich nach dem Absenden, auch auf Sicherheitsrisiken, und nach der Freigabe entscheidet, wer das Plugin gebaut hat, wann es ins Verzeichnis kommt. Hast du einen Skill, den andere in deiner Branche brauchen könnten? Pack ihn in ein Plugin, dann kannst du dieses Plugin jetzt dort einreichen. Wenn du keine Plugins baust, profitierst du indirekt: Mit der Zeit kommen mehr Plugins ins Verzeichnis, die die Prüfung von Anthropic bestanden haben.
Zum Schluss: Museen suchen in der KI einen Weg, Menschen näher an die Kunst zu bringen
Am Mittwoch, 23. September, hat «The Art Newspaper» über einen Bericht von Remuseum geschrieben, einem unabhängigen Forschungsprojekt, das das Museum Crystal Bridges in Bentonville, Arkansas, ins Leben gerufen hat. Der Bericht entstand nach einem Treffen von Vertreterinnen und Vertretern sieben amerikanischer Museen, darunter das MoMA, das Cleveland Museum of Art, das Detroit Institute of Arts und das Frye Art Museum in Seattle. Die Autorinnen und Autoren halten fest, dass KI den Museen helfen kann, ohne zu den Entlassungen zu führen, die die Branche so fürchtet, und sie verschweigen dabei weder ethische und ökologische Risiken noch Streit um Urheberrechte.
Die fünf beschriebenen Anwendungen reichen von der Mittelbeschaffung über die Kommunikation bis zur Betreuung der Besuchenden. Das Frye nutzt KI, um in der Kommunikation einen einheitlichen Ton zu halten, der zu einem vom eigenen Personal geschriebenen Stilleitfaden passt. Das Detroit Institute of Arts hat seine Datenbanken verknüpft und nennt das Ergebnis das «Gehirn der Institution». Die Mitarbeitenden können Informationen daraus nun leichter abrufen. Am besten gefiel uns eine Idee des Toledo Museum of Art, die noch auf einen Versuch wartet. Dort soll KI herausfinden, welche Besuchenden am längsten vor einem bestimmten Bild von Monet gestanden sind, und das Museum lädt zwanzig von ihnen zu einem Gespräch mit der Kuratorin oder dem Kurator der Ausstellung ein.
Stephen Reily, Direktor von Remuseum, sagt im Artikel, die Möglichkeiten, die die Autorinnen und Autoren des Berichts sahen, hätten weniger mit Automatisierung und Stellenabbau zu tun gehabt als mit einer stärkeren Bindung der Menschen an Museen und Kunst. Das Publikum begegnet KI im Museum mit Vorsicht: In einer anderen Umfrage, die der Artikel zitiert, lehnten über 70 Prozent der Befragten den Einsatz von KI in Ausstellungen ab. Jamilee Lacy, Direktorin des Frye, räumt ein, dass ihr nach mehreren Tagen voller Gespräche über KI trotzdem kaum etwas Besseres einfiel, als ein Bild vor Ort anzuschauen.