Eine der Neuerungen dieser Woche ist dir vielleicht schon aufgefallen: Im Auto-Modus fragt Claude Code neuerdings, ob es Dateien ausserhalb deines Arbeitsordners lesen darf. Es lohnt sich zu wissen, welche Antwort du gibst, denn zwei der drei bleiben dauerhaft bei dir.
Anthropic hat Claude Fable 5.1 veröffentlicht
Claude Fable 5.1 ist am Dienstag, dem 1. September, erschienen und ist das stärkste Modell, das du heute in Claude Code wählen kannst. Du wählst es mit dem Befehl /model, genau wie den Vorgänger. Nötig ist Claude Code in Version 2.1.255 oder neuer.
Bei Fable 5.1 hat Anthropic die Fähigkeiten des Modells verbessert und – wichtiger noch – die Sicherheitsfilter. Fable 5 war übervorsichtig und verweigerte die Antwort auch auf einfache Fragen aus Biologie oder Medizin. Fable 5.1 tut das deutlich seltener. Anthropic gibt an, dass die Filter für Cybersicherheit die Arbeit pro Sitzung im Schnitt 60 Prozent seltener unterbrechen als bei Fable 5, und dass die neuen Filter für biologische und medizinische Fragen – die auch in Fable 5 eingebaut wurden – bei harmlosen Fragen 85 Prozent seltener anspringen.
Günstiger geworden ist auch die Nutzung von Fable selbst. Dafür, dass das Modell den vom Gespräch bereits gespeicherten Kontext erneut liest, verlangt Anthropic bei jeder weiteren Antwort ein separates Entgelt – das ist der Lesezugriff auf den Zwischenspeicher. Bei Fable 5.1 ist dieser Satz von einem Dollar auf 25 Cent pro Million Tokens gefallen, also um drei Viertel, und der übrige Preis von Fable ist gleich geblieben. Anthropic nennt dafür rund 25 Prozent weniger Kosten bei gewöhnlicher Arbeit und bis zu 45 Prozent bei Aufgaben, an denen die KI lange ohne Menschen arbeitet.
Zwei Tage nach Fable 5.1, am Donnerstag, dem 3. September, hat OpenAI ein eigenes neues Modell herausgebracht. Die Firma nennt GPT-6 Astra das intelligenteste Modell der Welt. Wir werden nicht entscheiden, welches der beiden besser ist – uns freut vielmehr, dass der Wettkampf der zwei Giganten weitergeht, denn daraus entstehen immer bessere Modelle.
Zurück zu Anthropic: Im Pro-Abo zahlst du für beide Fable-Modelle weiterhin zusätzlich, ausserhalb des Abos. Im Max-Abo sind sie inbegriffen, aber du verbrauchst darauf höchstens die Hälfte deiner Wochenlimite – derselben, aus der alle übrigen Modelle schöpfen.
Für welche Aufgaben sich welches Modell eignet, steht im Tipp Haiku, Sonnet, Opus, Fable – welches Modell wofür. Und wenn du dein Abo erst noch aussuchst, schau in den Tipp Pro oder Max – welcher Claude-Plan für den Anfang.
Im Auto-Modus fragt Claude Code, bevor es den Arbeitsordner verlässt
Claude Code fragt seit Version 2.1.257, erschienen am Dienstag, dem 1. September, um Erlaubnis, bevor es zum ersten Mal eine Datei ausserhalb seiner Arbeitsordner liest. Das betrifft den Auto-Modus, in dem eine gewöhnliche Sitzung im Terminal startet. Bisher hat die KI dort ohne ein Wort zugegriffen: Fürs Lesen war der Arbeitsordner überhaupt keine Grenze.
Die Frage hat drei Antworten: Keep allowing, Block from now on und Ask again next time. Die erste lässt diesen Zugriff durch und jeden weiteren, und Claude Code merkt sich die Antwort, sodass die Frage nicht wiederkommt. Die letzte schiebt die Entscheidung auf: Sie verweigert diesen Zugriff, fragt beim nächsten aber wieder. Am meisten verändert Block from now on. Auch diese Antwort verweigert den Zugriff, schreibt zusätzlich aber ein Verbot in deine Einstellungen – ein Verbot für alle Zugriffe ausserhalb der Arbeitsordner, nicht nur für diese eine Datei. Das Verbot gilt danach in jeder weiteren Sitzung und in jedem Berechtigungsmodus, nicht nur im Auto-Modus.
Wenn in deinem Benutzerordner neben dem Arbeitsordner Vertragsvorlagen, Preislisten und Besprechungsnotizen liegen, empfehlen wir Block from now on. Das ist eine gewöhnliche Einstellung, du kannst sie später also wieder aufheben, und einen Ordner, den du für eine bestimmte Aufgabe brauchst, legst du mit dem Befehl /add-dir dazu.
/skill-doctor, die neue Funktion zum Durchleuchten deiner Skills
Claude Code hat einen neuen Befehl, /skill-doctor: Er zeigt, wie viel Kontext jeder deiner Skills belegt und wie oft er anspringt. Der Bericht weist separat auf die hin, nach denen Claude Code nie gegriffen hat, und sagt, wo du sie abschaltest. Er listet auch Plugins auf, die schon lange niemand benutzt hat. Denselben Bericht öffnet der Manager /plugin im Reiter Stats. Der Befehl funktioniert ab Version 2.1.252.
Jeder Skill auf der Liste schreibt sich in jeder Gesprächsrunde in den Kontext, unabhängig davon, ob Claude danach greift. Ein Dutzend Skills, die du für alle Fälle bereithältst, belegt damit auch in Gesprächen über etwas ganz anderes Platz.
Wenn dein erster Skill noch vor dir liegt: In der Lektion Dein erster Skill – der Plan für den Morgen gehen wir Schritt für Schritt durch, wie du ihn bei Claude Code in Auftrag gibst und was du danach daran nachbesserst.
Mehr Möglichkeiten für MCP in VS Code
Das Fenster MCP servers in der Claude-Code-Erweiterung für VS Code hat zwei neue Aktionen bekommen: Add und Remove. Die Änderung kam mit Version 2.1.261, erschienen am Freitag, dem 4. September. Einen MCP-Server fügst du direkt in der Liste in diesem Fenster hinzu oder entfernst ihn dort, und das Fenster selbst öffnet der Befehl /mcp, getippt im Gesprächsfenster. Oberflächen von Erweiterungen ändern sich häufig, bei dir kann das also schon etwas anders aussehen.
Wer in VS Code arbeitet, gewinnt mit beiden Aktionen vor allem Bequemlichkeit: Alles, was MCP-Server betrifft, passiert jetzt in einem Fenster. Wer ausschliesslich im Terminal arbeitet, findet dieses Fenster bei sich nicht – dort fügst du einen MCP-Server weiterhin mit einer gewöhnlichen Bitte im Gespräch hinzu. Die Bitte funktioniert übrigens überall gleich, wenn du also im Terminal und in VS Code arbeitest, kannst du dabei bleiben.
Was ein MCP-Server überhaupt ist und wie er sich von einem Konnektor auf claude.ai unterscheidet, steht im Tipp Konnektor oder MCP: wo genau der Unterschied liegt.
Das Zeitformat stellst du in /config ein
Claude Code zeigt die Uhrzeit an zwei Stellen: in der Meldung, die jede Antwort abschliesst, und in den Zeitstempeln in der Ansicht des Gesprächsprotokolls. Seit Version 2.1.257, erschienen am Dienstag, dem 1. September, stellst du das Format dieser Uhrzeit nach deinem Geschmack ein. Im Panel /config ist die Zeile Time format dazugekommen, und zur Auswahl stehen vier Werte: auto, 12-hour, 24-hour und 24-hour-utc.
24-hour und 24-hour-utc verwechselt man leicht, und der Unterschied ist echt. Der Wert 24-hour zeigt die lokale Uhrzeit, also die von der Uhr deines Computers oder aus einer separat eingestellten Zeitzone. Der Wert 24-hour-utc rechnet sie auf die Weltzeit um und hängt hinter die Minuten ein Z: Aus 18:05 Uhr unserer Sommerzeit wird dort 16:05Z.
Der Wert auto lässt alles so, wie es war: Die Uhrzeit folgt den Regionaleinstellungen des Systems, auf einem Computer mit schweizerischen Einstellungen siehst du also ohnehin die 24-Stunden-Uhr. Der Wert 24-hour-utc verdient seinen Platz dann, wenn du Uhrzeiten mit jemandem im Ausland abgleichst oder mit einem Protokoll, in dem alles in Weltzeit steht. Ein eigenes Muster und die Zeitzone stehen nicht auf der Liste im Panel – beides trägst du in die Einstellungsdatei ein, und dafür genügt eine Bitte:
Stell in Claude Code das Zeitformat auf 24-hour und die Zeitzone auf Europe/Zurich.
Was im Panel /config sonst noch lohnt, gleich geändert zu werden, und was du besser lässt, steht im Tipp Claude-Code-Einstellungen – ändern oder lassen.
Zum Schluss: die vollständige Karte eines Fruchtfliegenhirns
Am Donnerstag, dem 3. September, hat das Team von HHMI Janelia zusammen mit Google die erste vollständige Karte der Nervenverbindungen einer männlichen Fruchtfliege veröffentlicht: 166’000 Neuronen und 125 Millionen Synapsen. Gemessen an der Zahl der Neuronen ist das die grösste Hirnkarte, die bisher zusammengesetzt wurde. Sie umfasst das ganze Zentralnervensystem des Insekts: das Hirn, beide Sehlappen und den Nervenstrang.
Die Arbeit, die von Hand nicht zu Ende zu bringen wäre, haben neuronale Netze erledigt. Aus Bildern des Elektronenmikroskops haben sie die Form jeder Zelle rekonstruiert und dazu die Stellen, an denen sie mit ihren Nachbarn verbunden ist; geprüft haben das Ergebnis Menschen. Google Research schreibt deutlich, dass erst weniger manuelle Fehlerkorrektur grössere Hirne in Reichweite bringt. Der fertige Datensatz ist gratis und öffnet sich im Browser, in Neuroglancer, ohne Konto und ohne Installation.
Das menschliche Hirn hat 86 Milliarden Neuronen, die Forschenden halten deshalb gleich fest, dass es bis dahin noch sehr weit ist. Wie viele solche Arbeiten stehen heute auf halbem Weg und warten nicht auf eine Idee, sondern auf Hände, die korrigieren?