Claude Haiku 5.5 – das günstigste Modell von Anthropic, mit einem Fenster von einer Million Token

Auf das neue Haiku musste man fast ein Jahr warten: Anthropic hat Claude Haiku 5.5 am Mittwoch, 7. Oktober, veröffentlicht, das Vorgängermodell Haiku 4.5 am 15. Oktober 2025. Claude Code unterstützt das neue Modell ab Version 2.1.293 vom selben Tag, du wählst es mit dem Befehl /model haiku. Anthropic nennt Haiku 5.5 das günstigste und schnellste kleine Modell, das es je veröffentlicht hat, und sieht es für grosse Mengen einfacher, wiederkehrender Aufgaben vor: Zusammenfassungen, das Einordnen von Support-Anfragen, Datenbankabfragen. Gegenüber Haiku 4.5 hat das neue Modell ein Kontextfenster von einer Million statt zweihunderttausend Token, und es ist das erste Haiku, bei dem du eine Effort-Stufe einstellen kannst – standardmässig medium.

Spannend ist die Preisliste für alle, die über die API pro Token zahlen statt für ein Abo. Eine Anfrage mit einem Prompt bis hunderttausend Token kostet 0.10 Dollar pro Million Input-Token und 0.50 Dollar pro Million Output-Token, also zehnmal weniger als bei Haiku 4.5. Bei einer längeren Anfrage sind die Preise fünfmal höher, 0.50 und 2.50 Dollar, und sie gelten für alle ihre Token, nicht nur für die über der Schwelle. Wir vermuten, dass Anthropic Haiku ein wenig wie Jev arbeiten lassen möchte – ein Modell der Firma TypeSafe AI, das keine Texte schreibt, sondern schnell einfache Entscheidungen trifft: einordnen, einen Fall weiterleiten, einen von mehreren Wegen wählen. Solche kurzen Anfragen kosten bei Haiku 5.5 fast nichts: Fünfhundert Anfragen mit je zweitausend Token ergeben zusammen eine Million Input-Token, in der API also zehn Cent, dazu kommt der Preis für die Antworten.

Anthropic selbst empfiehlt Haiku 5.5 als Subagenten für Opus 5.5 und Sonnet 5.5. Wir sehen darin die Richtung, in die sich die neuen Modelle von Anthropic bewegen: Ein Hauptmodell, zum Beispiel Opus, führt die Arbeit, und klar umrissene Teilaufgaben gibt es an Subagenten auf Sonnet und Haiku ab. Ein solches kleines Modell für die Arbeit von Subagenten hat im Angebot von Anthropic unserer Meinung nach bisher gefehlt. Ein Subagent, in dessen Definition bereits nur der Alias haiku steht, läuft ab Version 2.1.293 auf Haiku 5.5. Alle anderen Subagenten stellt Claude Code nicht auf Haiku um, und der eingebaute Subagent Explore läuft im Abo auf Opus. Wenn ein bestimmter Subagent auf Haiku arbeiten soll, bitte Claude Code im Chat, ihm das Modell haiku zuzuweisen.

Zusammen mit Haiku 5.5 hat Anthropic den API-Preis für das Lesen aus dem Zwischenspeicher (Cache) von Sonnet 5.5 halbiert: von 0.20 auf 0.10 Dollar pro Million Token. Bisher kostete ein Cache-Lesezugriff bei Sonnet 5.5 gleich viel wie bei Opus 5.5, das bei 0.20 Dollar bleibt.

Wie du einem Subagenten ein Modell zuweist und warum der blosse Alias haiku mit der Zeit auf neuere Versionen wechselt, zeigen wir in der Lektion Skill und Subagent – Arbeitsteilung. Wann Haiku die richtige Wahl ist und wann eher Sonnet oder Opus, beschreiben wir im Tipp Haiku, Sonnet, Opus, Fable – welches Modell wofür.

Ein Subagent in Claude Code auf der Effort-Stufe, die du verlangst

Seit Version 2.1.292 vom Dienstag, 6. Oktober, startet Claude Code einen Subagenten auf der Effort-Stufe, die du im Chat verlangst. Vorher liess sich einem Subagenten eine eigene Effort-Stufe nur fest zuweisen, in seiner Definition. Jetzt genügt es, deiner Bitte zum Beispiel «starte ihn auf der Stufe high» anzufügen, und Claude gibt diese Stufe für diesen einen Lauf an den Subagenten weiter, auch dann, wenn der Subagent seine Arbeit später wieder aufnimmt. Die Definition bleibt unverändert.

Effort für einen einzelnen Lauf ist praktisch bei einem Subagenten, der normalerweise etwas Einfaches erledigt und ab und zu eine schwierigere Aufgabe bekommt – zum Beispiel einer, der dir jeden Tag die neuen E-Mails aus dem Postfach auflistet und heute zwei Versionen einer Preisliste vergleichen und die Unterschiede nennen soll. Mit Haiku 5.5 passt das gut zusammen: Der Subagent arbeitet auf einem günstigen Modell, und bei einer schwierigeren Sache erhöhst du seinen Effort nur dieses eine Mal.

Monatliches API-Guthaben im Max-Plan – nicht für die Arbeit in Claude Code

Wer den Max-Plan abonniert hat, bekommt von Anthropic jeden Monat ein Guthaben für die API: 100 Dollar bei Max 5x und 200 Dollar bei Max 20x. Anthropic hat am 7. Oktober begonnen, es schrittweise über mehrere Tage zu verteilen, und wer neu abonniert, kann es nach sieben Tagen im Plan abholen. Der Pro-Plan bekommt kein Guthaben. Das Guthaben geht an eine einzige Organisation in der Claude Console, die du unter Settings → Billing im Abschnitt API credits mit deinem Plan verbindest.

Das Guthaben erhöht deine Limite nicht und deckt die gewöhnliche Arbeit mit Claude Code nicht ab – weder im Terminal noch in VS Code, in der Desktop-App oder im Browser. Auch die zusätzliche Nutzung (Extra usage) über die Limite hinaus deckt es nicht. Ausgeben kannst du es für eigene Automatisierungen über die API und auch dafür, Claude Code mit dem Befehl claude -p und einem API-Schlüssel dieser verbundenen Organisation zu starten. Was du nicht aufbrauchst, verfällt am Ende der Abrechnungsperiode.

Gut, dass Anthropic gleich klar gesagt hat, was das Guthaben nicht abdeckt – «100 Dollar im Max-Plan» liest man leicht als mehr Claude Code. Wer schon etwas über die API laufen hat oder es ausprobieren will, bekommt Geld für den Einstieg. Als Grund für den Wechsel von Pro zu Max taugt das Guthaben dagegen nicht: Max empfehlen wir erst, wenn dir im Pro-Plan die Limite regelmässig mitten in der Arbeit ausgeht.

Erweiterung für VS Code: Rückfrage vor Aktionen in Chrome und Uhrzeiten standardmässig eingeschaltet

Seit Version 2.1.296 vom Freitag, 9. Oktober, fragt die Erweiterung von Claude Code für VS Code in jeder Sitzung um Erlaubnis, bevor sie im Browser handelt, wenn Claude Chrome steuert – so wie Claude Code im Terminal. Betrifft eine Aktion eine Website, für die du noch keine Erlaubnis gegeben hast, kannst du Aktionen auf dieser Website bis zum Ende der Sitzung erlauben, und Claude fragt bei den nächsten nicht mehr nach. Im Browser bist du mit deinen Konten angemeldet, deshalb sind ein paar Klicks mehr aus unserer Sicht ein vernünftiger Preis.

Seit Version 2.1.290 vom Montag, 5. Oktober, zeigt die Erweiterung ausserdem standardmässig über jeder Nachricht die Uhrzeit an und dort, wo ein neuer Tag beginnt, eine Zeile mit dem Datum. Die Funktion kam mit Version 2.1.284, war aber standardmässig ausgeschaltet, und so haben wir sie in den News vom 5. Oktober beschrieben. Wenn dich die Uhrzeiten stören, schaltest du sie in den Einstellungen von VS Code aus – die Option heisst Claude Code: Show Message Timestamps.

Zum Schluss: ArtCraft – sieben offene Apps nach dem Vorbild von Adobe-Programmen, gebaut mit Opus 5.5

Für einen guten Start in die Woche – ArtCraft: sieben quelloffene Gratis-Apps nach dem Vorbild von Adobe-Programmen. Brandon Thomas hat sie Ende September und Anfang Oktober auf GitHub veröffentlicht. PhotoCraft entsteht nach dem Vorbild von Photoshop, VectorCraft von Illustrator, FilmCraft von Premiere, LightCraft von Lightroom, PrintCraft von Acrobat Pro, EffectCraft von After Effects und DesignCraft von InDesign. Alle sind in der Sprache Rust geschrieben und haben auch Versionen, die im Browser laufen. Thomas schreibt, dass er sie mit Opus 5.5 im gewöhnlichen Claude Code baut, ohne irgendwelche Zusätze, und dass er die Adobe-Programme nicht dekompiliert, sondern von Grund auf nachbaut.

Brandon Thomas ist ein erfahrener Programmierer. Laut Ars Technica hat er rund ein Jahrzehnt Arbeit an grossen Rust-Projekten hinter sich, er selbst spricht von fünfzehn Jahren Berufserfahrung, und seit Februar schreibt er keinen Code mehr von Hand, sondern arbeitet mit KI. Er hat auch ein Team, das – wie er schreibt – zum grössten Teil aus Kunstschaffenden besteht, die solche Programme täglich nutzen.

Die Apps sind in einer frühen Alpha-Version, und der Autor macht daraus kein Geheimnis. VICE berichtete nach einem eigenen Test von jeder Menge Fehlern und kam zum Schluss, dass sie funktionieren – na ja, mehr oder weniger. Für uns ist das trotzdem vor allem eine Vorführung dessen, was Opus 5.5 kann: Ein Programmierer mit einem kleinen Team von Kunstschaffenden nimmt sich heute mit KI sieben Programme vor, an denen Adobe Jahrzehnte gearbeitet hat. Thomas kündigt an, dass seine Apps innerhalb eines Monats funktional mit den Adobe-Programmen gleichziehen. Der Code liegt in offenen Repositories, also kann jede und jeder Commit für Commit nachprüfen, wie nah PhotoCraft dem Ziel ist.