/init ist der Befehl, der dein CLAUDE.md schreiben soll: Er schaut sich den Ordner an, in dem du ihn startest, und baut daraus eine Datei mit Anweisungen. So weit das Versprechen. In der Praxis bekommst du im einen Ordner nach kurzer Zeit eine fertige Datei und im anderen die Rückfrage, ob du wirklich diesen Ordner gemeint hast. Wir haben /init in drei Ordnern mit unterschiedlichem Inhalt eingetippt und zeigen der Reihe nach, was dabei herauskam.
Woher der Inhalt von CLAUDE.md kommt
Für ein CLAUDE.md gibt es zwei Wege. Der erste ist das Gespräch: Du bittest Claude Code, dich zuerst über dein Projekt auszufragen, du antwortest, und aus deinen Antworten entsteht die Datei. Der zweite ist /init, und der fragt nichts – er liest den Ordner und stellt die Datei aus dem zusammen, was er dort findet.
Ob /init überhaupt läuft, hängt an einer einzigen Frage: Liegt im Ordner Code? Das ist die Bedingung für den Befehl. Ein CLAUDE.md kannst du in jedem Ordner haben, du musst nur in manchen anders darum bitten.
Leerer Ordner
Unser erster Testordner ist völlig leer – keine einzige Datei, auch keine versteckte. /init macht dort nichts und sagt auch, warum: Es gibt nichts zu dokumentieren, und ein erfundenes CLAUDE.md wäre bloss geraten. Stattdessen fragt er nach, ob wir wirklich diesen Ordner gemeint haben.
Genauso endet es in einem Ordner mit einer einzigen kurzen Notiz: «Offerten und Preisliste für 2027 aufräumen». Ein Satz über eine Absicht reicht /init noch nicht.
Wenn du gar keine Dokumente hast, bleibt das Gespräch: Du erzählst von deinem Projekt, und Claude Code schreibt die Datei daraus. In unserer Lektion zum ersten CLAUDE.md gehen wir das Schritt für Schritt durch.
Ordner mit Dokumenten
Im zweiten Ordner liegt einiges: eine Offertvorlage in Word, ein Vertragsmuster, eine Preisliste in Excel und eine Datei mit drei Notizen – der normale Arbeitsalltag einer Einzelfirma für Schulungen. Auch hier verweigert /init mit derselben Begründung: Das ist kein Repository mit Code, also läuft der Befehl nicht.
Du kannst ihn aber präzisieren. Nach dem Befehl selbst schreibst du ein Leerzeichen und einen eigenen Satz, in normalem Deutsch, so wie du es im Chat schreiben würdest. Die Dokumentation erwähnt diesen Zusatz nicht, bei uns hat er jedes Mal funktioniert.
/init für einen Ordner ohne Code
Jetzt geht Claude Code den Ordner durch und schreibt daraus ein CLAUDE.md. Er weist darauf hin, dass nichts über den Tech-Stack des Projekts drinsteht, weil im Ordner keine solchen Informationen liegen. Und das ist gut so: Wir arbeiten hier an Offerten und einer Preisliste, ein Abschnitt über Technologie wäre nur Füllmaterial.
Ordner mit Code
Im dritten Ordner liegt ein echtes Repository: Code, ein Test, ein README und die Änderungsgeschichte in Git. Wenn dir diese Wörter nichts sagen, ist das eine gute Nachricht – dieses Szenario betrifft dich nicht, deines steht weiter oben. Hier tut /init genau das, was die Dokumentation verspricht: Er schreibt eine Datei mit den Befehlen zum Starten und Testen und dazu eine Beschreibung, wie das Projekt aufgebaut ist.
In unserem Test kam noch eine Bemerkung dazu, um die niemand gebeten hatte: Ihm fiel auf, dass Code und Test dieselbe Liste im Speicher benutzen, ein weiterer Test also scheitern kann, wenn die AI annimmt, die Liste sei am Anfang leer. Claude hat das als Notiz für später festgehalten und den Code in Ruhe gelassen.
Das erzeugte CLAUDE.md ist erst ein Entwurf
Welcher der drei Ordner deinem auch ähnelt: Mit /init ein CLAUDE.md zu erzeugen, ist nichts, was du abhaken und vergessen kannst. Die Dokumentation sagt es deutlich: Nach /init verfeinerst du die Datei mit Anweisungen, auf die Claude Code von selbst nie gekommen wäre. Deine Dateien verraten ihm, was im Ordner liegt und welche Regeln daraus folgen. Sie verraten ihm nicht, welche Ordner er ohne Rückfrage nicht anfassen darf. Und auch nicht, dass du nicht programmierst und einfache Erklärungen bevorzugst.
Die erste Hälfte dieser Arbeit ist damit erledigt. Die zweite kannst du ebenfalls abgeben, nur bist du diesmal die Quelle und nicht der Ordner. Füg das im Gespräch ein:
Lies das CLAUDE.md in diesem Ordner und erzähl mir in eigenen Worten, was darin steht. Stell mir danach ein paar Fragen zu den Dingen, die aus den Dateien nicht hervorgehen: wie ich arbeiten will, was du ohne Rückfrage nie anfassen darfst und was ich nicht kann. Immer nur eine Frage auf einmal. Schlag mir vor, was in die Datei soll, ändere aber nichts, solange ich es nicht freigegeben habe.
Ein zweites Mal im selben Ordner
Preise ändern sich, neue Vorlagen kommen dazu, und das CLAUDE.md vom Anfang passt immer weniger zu dem, was im Ordner liegt. Du kannst /init im selben Ordner noch einmal laufen lassen, ohne zu verlieren, was schon in der Datei steht. Eine bestehende Datei überschreibt er nicht, er schlägt Änderungen daran vor. Im Ordner ohne Code hängst du denselben Satz an wie beim ersten Mal: /init für einen Ordner ohne Code.
Kurz gefasst
Code im Ordner? Tipp /init ein und lies, was dabei herauskommt. Nur Dokumente, Tabellen und Vorlagen? Sag dem Befehl, womit er es zu tun hat: /init für einen Ordner ohne Code. Leerer Ordner oder eine einzige Notiz? Erzähl im Gespräch von deinem Projekt und komm zurück, sobald Dateien dazugekommen sind.
Die beste Nachricht: Auch ein Ordner voller Offerten und Preislisten ergibt eine brauchbare Datei. Du musst Claude Code nur sagen, womit er es zu tun hat.