Seit dem 14. August starten neue Claude-Code-Sitzungen in den Plänen Pro, Max und Team im Auto-Modus – genau so, wie Anthropic es angekündigt hatte. Spannender war, was daneben passierte: Anthropic begann, den von Claude erzeugten Text zu markieren, und am Sonntagabend schwieg Claude eine halbe Stunde lang komplett.
Claude markiert den erzeugten Text
Der Text, den du von Claude bekommst, wird ein Wasserzeichen tragen – ein unsichtbares Muster, das in den Wörtern selbst steckt. Es ist kein Zusatz am Ende und keine Metadatei, die man im Editor löschen kann: Das Muster sitzt im Text und wandert mit ihm mit, wenn du ihn kopierst und woanders einfügst. Erfassen wird es mit der Zeit Claude, Claude Code, Cowork, die API und Claude Tag, also alles, worüber man an das Modell herankommt.
Dabei gibt es einen Haken, den man leicht übersieht. Modelle, die am 2. August 2026 oder später erschienen sind, bringen das Wasserzeichen ab Werk mit, für die älteren baut Anthropic es gerade nach – nur ist jedes Modell, mit dem du heute arbeitest, vor diesem Datum erschienen. Sonnet 5 und Opus 5 kamen im Juli, Fable 5 im Juni, Haiku 4.5 letztes Jahr. In dem Text, den du letzte Woche mit Claude geschrieben hast, steckt kein Wasserzeichen.
Der Mechanismus ist erstaunlich einfach. Beim Schreiben einer Antwort steht das Modell immer wieder vor der Wahl zwischen Wörtern, die gleich gut passen, und entscheidet sie normalerweise zufällig. Die Markierung ersetzt diesen Zufall: Über die Wahl entscheiden ein Schlüssel und die paar Wörter davor. So entsteht über die ganze Antwort hinweg ein Muster. Anthropic schreibt, dass eine markierte und eine unmarkierte Antwort für Lesende nicht zu unterscheiden sind und sich an der Qualität nichts ändert.
Eine eigene Frage ist, was das Wasserzeichen nicht kann – da haben sich bereits einige Missverständnisse angesammelt. Es enthält nichts, woraus sich ableiten liesse, wer geschrieben hat: weder Konto noch Sitzung. Claude von einem anderen KI-Modell unterscheiden kann es auch nicht; es sagt nur, dass Claude irgendwann an diesem Text beteiligt war. Bei einem kurzen Ausschnitt greift es gar nicht, weil es dann zu wenige Entscheidungen zwischen Wörtern gibt. In faktenlastigen Texten wird es dünner, weil das Modell weniger Spielraum hat, und dort, wo das Ergebnis exakt so und nicht anders lauten muss, kommt es nicht zum Einsatz – also im Code. Leichtes Redigieren entfernt es vermutlich nicht, ein Umschreiben Wort für Wort schon.
An deiner täglichen Arbeit ändert sich heute nichts, was du einstellen oder prüfen müsstest. Das ist wohl die ehrlichste Zusammenfassung. Abschalten wird man das Wasserzeichen nicht können, und ein Werkzeug zum Erkennen gibt es noch nicht – Anthropic kündigt eine Detektions-API «demnächst» an. Was diese Woche mit dem ganzen Apparat einer EU-Pflicht angekündigt wurde, ist also vorerst eine Funktion, die es noch nicht gibt. Wir vermuten, dass dahinter eher die Regulierung steht als ein Bedürfnis von irgendjemandem. Und wenn du Texte veröffentlichst, die mit Claude entstanden sind, gilt eine Schlussfolgerung, die älter ist als diese ganze Technik: Sag offen, dass du KI einsetzt, statt darauf zu setzen, dass niemand nachschaut. Das kommt dich günstiger als jede Strategie, die auf dem Gegenteil aufbaut.
Neu in Claude Code
Der Auto-Modus ist jetzt Standard, und unter Windows spielte er einen Tag lang verrückt
Seit dem 14. August startet Claude Code im Auto-Modus, sofern du im Plan Pro, Max oder Team arbeitest und nichts anderes eingestellt hast. In diesem Modus hält der KI-Assistent nicht vor jedem Befehl an – ein separates Modell beurteilt, ob eine Aktion sicher genug ist, um nicht nachzufragen. Was das im Alltag bedeutet und welcher Modus zu welcher Arbeitsphase passt, nehmen wir in unserem Tipp zu den Berechtigungsmodi auseinander.
Version 2.1.232 vom 13. August brachte zugleich einen Fehler mit, der ausschliesslich Windows traf: Der Auto-Modus hielt an und verlangte eine manuelle Bestätigung für ganz gewöhnliche Befehle, solche mit einem Wechsel ins Verzeichnis und einer Ausgabe in eine Datei. Version 2.1.233 vom 14. August hat das behoben, und die Änderungen dahinter hat Anthropic zurückgenommen. Wenn du unter Windows arbeitest und der neue Auto-Modus sich am Donnerstag anfühlte, als würde er überhaupt nicht funktionieren – das bildest du dir nicht ein.
Die Aufgabenliste verschwindet aus den neueren Modellen
Die Werkzeuge für die Aufgabenliste haben alle neueren Modelle verloren – Opus 4.8, Sonnet 5, Fable 5, Mythos 5 und jedes weitere –, und zwar mit Version 2.1.233 von Claude Code vom 14. August. Gemeint ist der Mechanismus, mit dem Claude Code längere Arbeit in Schritte zerlegte und sie unterwegs abhakte – derselbe, der dir die Liste des Geplanten auf den Bildschirm schrieb. Zurückholen lässt er sich über die Umgebungsvariable CLAUDE_CODE_ENABLE_TODO_TOOLS=1.
Anthropic erklärt im Changelog nicht, warum, und wir raten nicht herum. Sagen können wir, was dabei verloren geht. Die Aufgabenliste war die einzige Stelle, an der bei längerer Arbeit der Fortschritt sichtbar wurde: wie viele Schritte hinter dir liegen, wie viele noch kommen und bei welchem der KI-Assistent gerade steht. Ohne sie bleibt auf dem Bildschirm ein Strom dessen, was in diesem Moment geschieht, ohne jeden Hinweis darauf, welchen Teil der Arbeit du gerade siehst. Nebenbei zeigte die Liste noch etwas: zu Beginn aufgeschrieben, verriet sie, ob die Aufgabe so verstanden wurde, wie du sie meinst, bevor irgendetwas lief.
Wenn du mit Sonnet oder Opus arbeitest, holst du diese Übersicht nicht mit der Bitte um einen Plan zurück: Ein Plan sagt dir, was Claude Code vorhat, aktualisiert sich unterwegs aber nicht. Zurück bringt sie nur die genannte Umgebungsvariable.
Welches Modell zu welcher Arbeit passt – Sonnet, Opus oder doch ein anderes –, steht in einem eigenen Tipp.
Andere Sitzungen rufst du jetzt mit dem Affenschwanz
Das Schreiben zwischen Claude-Code-Sitzungen geht an Windows vorbei – es läuft auf macOS und auf Linux, auch unter WSL. Version 2.1.232 hat dem Eingabefeld das Zeichen @ beigebracht: Du tippst es, wählst den Namen einer anderen Claude-Code-Sitzung und schreibst ihr eine Nachricht. Das baut auf dem Mechanismus auf, über den wir vor einer Woche geschrieben haben, als Sitzungen einander Nachrichten schicken konnten – damals musste man den Befehl kennen, heute genügt der Name. Ausserdem achten Sitzungen auf einer Maschine darauf, dass Namen sich nicht wiederholen: Eine zweite Sitzung mit demselben Namen bekommt eine Variante und einen Hinweis darauf.
Im Panel /config sind dafür zwei Zeilen dazugekommen: Messages from your other sessions entscheidet, was mit einer Nachricht aus einer deiner anderen Sitzungen geschieht, und Dialog expiry legt fest, wie lange die Rückfrage nach deiner Freigabe auf eine Antwort wartet.
Willst du mehr Geheimnisse der Claude-Code-Konfiguration kennen? Lies unseren Tipp zu den Einstellungen, die sich lohnen.
In der Nacht auf Montag lief Claude nicht
Am Sonntag, dem 16. August, funktionierte um 23:58 Uhr Schweizer Zeit die Anmeldung bei claude.ai, Claude Code und Cowork nicht mehr, kurz darauf kamen Fehler bei ganz gewöhnlichen Anfragen dazu. Um 00:34 meldete Anthropic, alles laufe wieder – der Ausfall dauerte gut eine halbe Stunde und erfasste auch die API und die Konsole. Eine Ursache hat das Unternehmen nicht genannt.
Eine praktische Sache lässt sich daraus mitnehmen, und es geht nicht um den Ausfall selbst. Wenn Claude Code sich seltsam verhält – keine Antwort, ein Anmeldefehler, ein Abbruch mittendrin –, sucht man den Fehler zuerst bei sich: in der Konfiguration, im Schlüssel, im Netz. Bevor du irgendetwas reparierst, öffne status.claude.com. Auf dieser Seite trägt Anthropic laufende Störungen ein, getrennt für claude.ai, Claude Code, Cowork und die API. Dreissig Sekunden, und sie ersparen dir einen Abend, an dem du etwas reparierst, das bei dir gar nicht kaputt ist.
Ausfälle hat jeder Dienst, und eine halbe Stunde ist wirklich wenig. Interessanter ist etwas anderes: Vor einem Jahr endete die Liste der Dinge, die man morgens vor der Arbeit kurz prüft, bei Post und Kalender. Jetzt steht ein Punkt mehr darauf, und entschieden hat das niemand bewusst.