Anthropic hat diese Woche eine eigene Namenskonvention aufgegeben, und das ist für uns die beste Nachricht aus dem ganzen Changelog.

Claude Code liest AGENTS.md, wenn im Projekt keine CLAUDE.md liegt

Seit Version 2.1.277, erschienen am Freitag, 18. September, liest Claude Code die Datei AGENTS.md als Projektanweisung – in einem Ordner, in dem keine CLAUDE.md liegt. AGENTS.md ist der Name, den die KI-Agenten anderer Anbieter übernommen haben – Codex von OpenAI liest die Datei zum Beispiel. Bisher sah Claude Code so eine Datei nur dann, wenn jemand den Import @AGENTS.md in die CLAUDE.md geschrieben hatte. Als Redaktion freuen wir uns über diese Änderung mehr als über manche lautere Neuerung: Anthropic ist hier einem Standard gefolgt, den jemand anders erfunden hat, statt stur am eigenen Dateinamen festzuhalten. Für dich heisst das, dass du die Anweisung für die KI einmal pro Ordner schreibst und nicht für jedes Werkzeug einzeln, mit dem du in diesem Ordner arbeitest.

Welche Dateien geladen werden, wählst du im Panel /config unter Project instructions – und dabei lohnt sich Vorsicht, denn die beiden Dateien schliessen einander aus. Eine einzige CLAUDE.md ein Stockwerk höher im Ordnerbaum genügt, damit die AGENTS.md aus deinem Projekt nicht geladen wird.

Der Import von Dateien mit der Schreibweise @pfad funktioniert in AGENTS.md genauso wie in CLAUDE.md, du musst eine auf mehrere Dateien verteilte Anweisung also nicht in eine einzige umschreiben. Der Import selbst ist allerdings eine Erweiterung von Claude Code: Die gemeinsame Beschreibung des Formats AGENTS.md sieht gar keinen Import vor, und die Codex-Dokumentation beschreibt nur das Aneinanderhängen der aufeinanderfolgenden AGENTS.md aus dem Verzeichnisbaum. Wenn deine AGENTS.md also auch in anderen Werkzeugen funktionieren soll, halte die Anweisungen in einer einzigen Datei.

Wenn in deinem Arbeitsordner noch keine dieser Dateien liegt, fang mit der Lektion Die erste CLAUDE.md-Datei an – dort zeigen wir, was in so eine Anweisung gehört und wie du prüfst, dass Claude Code sie wirklich liest.

Skills und Plugins aus dem claude.ai-Konto kommen in die Terminal-Sitzung

Seit Version 2.1.273, erschienen am Dienstag, 15. September, funktionieren Skills und Plugins ähnlich wie MCP-Konnektoren: Du schaltest sie einmal im claude.ai-Konto ein, und Claude Code sieht sie im Terminal, ohne dass du bei dir irgendetwas einstellst. Auf demselben Weg kommen die Skills an die übrigen Orte, an denen du dein Konto verwendest – in die Cowork-Sitzungen der Claude-App auf dem Computer und in die Sitzungen in der Cloud. Eine Terminal-Sitzung, die an diesem Konto angemeldet ist, lädt sie beim Start im Hintergrund herunter, in einen separaten Ordner neben deinen eigenen Skills, und prüft etwa alle zehn Minuten, ob sich im Konto etwas geändert hat.

Der Weg führt nur in eine Richtung – von claude.ai ins Terminal. Ein Skill, den du lokal im heruntergeladenen Ordner änderst, kommt nicht ins Konto zurück; Claude Code sagt dir beim Speichern klar, dass diese Änderung im Konto nicht angekommen ist. Die ganze Synchronisation schalten zwei Einstellungen ab, syncClaudeAiSkills und syncClaudeAiPlugins – du musst Claude Code nur darum bitten.

Verschiebe nicht alles ins Konto, was du im Terminal hast. Ein Skill, der Befehle mit ! ausführt oder Dateien mit @ hereinholt, tut das nach dem Umzug nicht mehr – auch nicht im Terminal, wo er heute funktioniert, denn Claude Code liest diese Stellen in einem Skill aus dem Konto als blossen Text. Fürs Konto eignen sich Skills, die Anweisungen sind, und nicht solche, die nach deinen Dateien und Befehlen greifen. Frag Claude Code, welche deiner Skills sich verschieben lassen.

Denk daran, dass jeder Skill in jeder Gesprächsrunde einen Teil des Kontexts belegt, ein gutes Dutzend Skills aus dem Konto also von jetzt an auch im Terminal Platz wegnimmt. Wie viel genau, zeigt der Befehl /skill-doctor – darüber haben wir in den News vom 7. September geschrieben.

Im Panel /config ändert ein Klick den Wert einer Einstellung

Klicken liess sich im Terminal schon vorher, nur nicht überall: in Auswahllisten – in der Frage nach der Berechtigung oder in /model – seit Version 2.1.187, und in Fragen mit vorgegebenen Antworten seit Version 2.1.208. Version 2.1.271, erschienen am Montag, 14. September, geht einen Schritt weiter: Im Panel /config ändert ein Klick auf den Wert einer Einstellung diesen sofort. Vorher wählte der Cursor in diesem Panel die Zeile aus, und den Wert stellte man über die Tastatur um.

Für jemanden, der das Terminal vor einer Woche zum ersten Mal geöffnet hat, ist das ein spürbarer Unterschied: Klicken schreckt weniger ab, als mit den Pfeiltasten durch eine Liste zu gehen, auf der alles gleich aussieht.

Zu beachten ist, dass die Cursorunterstützung nur im Modus /tui fullscreen funktioniert und nicht mit jedem Terminal zusammenspielt.

Ins Panel /config lohnt sich ein Blick nicht nur wegen des Klickens. Die Einstellungen, die man dort wirklich ändern sollte, gehen wir im Tipp Claude-Code-Einstellungen – ändern oder lassen durch.

Zum Schluss: eine wissenschaftliche Arbeit, mit der man über MCP spricht

Am Mittwoch, 16. September, ist in «Nature» eine Arbeit erschienen, die Paper2Agent beschreibt – ein Werkzeug, das eine wissenschaftliche Publikation samt ihrem Code und ihren Daten nimmt und sie anschliessend als MCP-Server bereitstellt. Statt zu lesen, was das Forschungsteam gemacht hat, und die Arbeit bei dir aus dem Repository nachzubauen, fragst du so einen Server nach dem Ergebnis, und er rechnet es mit den in der Publikation beschriebenen Methoden aus.

Das Team hat das an Arbeiten aus der Computerbiologie gezeigt, und der Code von Paper2Agent liegt öffentlich auf GitHub.

Wenn sich diese Idee durchsetzt, ändert sich die Art, wie man auf fremde Forschung zugreift. Statt die beschriebene Methode bei dir nachzubauen, lässt du genau den Code, auf dem die Publikation beruht, das Ergebnis berechnen – und plötzlich werden Daten und Methoden auch für Menschen zugänglich, die den Code selbst nicht zum Laufen bringen. Für uns sieht das nach dem Anfang eines ganz anderen Zugangs zu Forschungsergebnissen aus, auch wenn es vorerst bei einem einzelnen Werkzeug und bei Arbeiten aus einem einzigen Fachgebiet bleibt.

Was ein MCP-Server überhaupt ist und worin er sich von einem fertigen Konnektor aus dem Katalog unterscheidet, erklären wir im Tipp Konnektor oder MCP: wo genau der Unterschied liegt.